Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Lehrbücher
Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Page - 198 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 198 - in Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)

Image of the Page - 198 -

Image of the Page - 198 - in Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)

Text of the Page - 198 -

Schlagwort ,Kontinuität‘ operierte. „Wandel“ war für diese Forschungs- bereiche, wie Hermann Bausinger 1971 treffend bemerkte, „eine eher störende Kategorie“. Vielmehr setzten sie „Kulturkonstanz“ und „konti- nuierlicheTradition“alsunhintergehbareVoraussetzungen, sodasses ihnen möglichwar, „spärliche Belege über Jahrtausende hinweg“ zu verbinden. BeidemGermanistenMuchundseinenSchülernbezeichnete„Kontinuität in erster Linie Fortdauer der ,völkischen‘ Substanz, es ging um die ger- manischeKontinuität“.76 DieserWissenschaftsauffassung folgte auch LilyWeiser. In der Ein- leitung ihrerbeiMucheingereichtenDissertation Jul.Weihnachtsgeschenke undWeihnachtsbaum von1923 schrieb sie, siewolle herausfinden, ob „es ein heidnisch-germanisches Fest [gegeben habe], das vom Christenfest aufgesogen wurde“ und ob „die volkstümlichen Bräuche“ rund um das Weihnachtsfest „römisch-antiken“, „christlichen“odergermanischen„Ur- sprunges“seien.77DiesoformuliertenForschungsfragenwarenProgramm: VorallemversuchteWeiserzubeweisenoderzumindestzuplausibilisieren, dass das zeitgenössischeWeihnachtsfestmit seinenverschiedenenBrauch- elementen indirekter (wennauchnicht unbedingt offensichtlicher) Linie von Fruchtbarkeitsriten und Totenzauberritualen einer vorchristlich-ger- manischenZeit abzuleiten sei. Zu diesemZweckweist sie im ersten,mit „Jul“ überschriebenenAb- schnitt ihrer Dissertation zunächst die Ansicht des Sozialdarwinisten Alexander Tille und des Historikers Gustav Bilfinger zurück, dass die volkstümlichen Bräuche rund um dasWeihnachtsfest von alten Jahres- anfangsfesten stammen.78 Gemäß ihrer Forschungsprämisse gibt sie als Grund dafür an, dass der Jahresanfang für ein deutsches Fest keine Be- deutung haben könne, weil das Zelebrieren desselben „spezifisch-orien- talisch“ sei. Da bei den „germanischen Jahreszeiten […] ein bestimmter Neujahrstag als scharfer Einschnitt“ generell fehle, sei, soWeiser, „jener Behauptung,daßdieVolkstümlichkeitunseresWeihnachtsfestesdurchdie Übertragung der altenNeujahrsfeste zu erklären sei, die Grundlage ent- zogen“.Vor allem stellt sie fest, dass sich die zeitgenössisch großeBedeu- tungdesWeihnachtsfests überhauptnur erklären lasse,wennesdas „Erbe einesheidnisch-germanischenFestesangetretenhätte“.Damit setztWeiser 76 Bausinger:Volkskunde [1971], S. 77–78. 77 Weiser: Jul (1923), S. 2. – ImFolgenden im Fließtext zitiert als (Weiser 1923, [Seitenangabe]). 78 Bilfinger: Untersuchungen über die Zeitrechnung der alten Germanen. Teil 2 (1901);Tille:Geschichte der deutschenWeihnacht (1893). IV. LilyWeiser (1898–1987)198
back to the  book Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)"
Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Title
Germanistik in Wien
Subtitle
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Author
Elisabeth Grabenweger
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2016
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
290
Keywords
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Category
Lehrbücher
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Germanistik in Wien