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OffensichtlicheUnterschiede dieser beidenVertretungsinstanzen ger-
manischerKontinuität zeigen sich in ihremöffentlichenAuftretenbzw. in
ihrem,Sendungsbewusstsein‘.Die,Mythologen‘sahensich–imGegensatz
zudenMuch-Leuten,diebis1933/1938peinlichstdaraufbedachtwaren,
nur innerhalbderGrenzenderuniversitärenWissenschaft zuagieren–als
Erzieher und Former der deutschen Jugend. Hüsing und ein weiterer
AnhängerLeopold vonSchroeders,WolfgangSchultz124, gründeten1918
denuniversitärenLehrgang ,DeutscheBildung‘, der seineTeilnehmer aus
Akademikern,LaienundvorallemausdenJugendbewegungen,besonders
dem,Wandervogel‘,bezog.125BeidiesemLehrganggingesdarum,wiedie
nationalsozialistische Zeitschrift Volk und Rasse 1936 anerkennend fest-
stellte, „für die völkische deutsche Jugend der Bünde und der Studen-
tenschaft die geistigen Waffen für den Weltanschauungskampf [zu]
schmieden“,da „nurdasVolkdenAnstürmenstandhaltenwerde,das sich
seiner rassischen Kraft und seiner völkischen Geschichte ganz bewußt
sei“.126DasBemühenumeinemöglichst hoheBreitenwirkungkannman
auch zweiweiterenVertreternderWiener ,Mythologen‘zuschreiben,Karl
vonSpießundEdmundMudrak.Spieß,der1903inWienzumBotaniker
promovierte, leitete denLehrgang ,DeutscheBildung‘ von1928bis 1938
und holte durch seine Beziehungen zu Josef Strzygowski, der seit 1909
Professor fürKunstgeschichte an derWienerUniversität war, die Kunst-
historikermit insBoot.EdmundMudrak, derbeiHüsingundSchroeder
studierte und als seine drei Bezugspunkte die Rassenkunde, Wilhelm
Heinrich Riehls Volkskunde undGrimmsMythologie ansah, stellte Be-
ziehungen zur Stadtverwaltung her: Er war bis 1943 Beamter im Kul-
turamt der StadtWien.
Bescheiden und nüchtern nimmt sich dagegen die dritte Bewerber-
gruppeumdieuniversitäreVolkskunde inWienaus.MichaelHaberlandt
studierte bei dem Sprachwissenschaftler Friedrich Müller und dem In-
124 Wolfgang Schultz (1881–1936) studierte Klassische Philologie in Wien, pro-
movierte 1904,musste als früherNationalsozialist 1923Österreich verlassenund
wurde ohne Habilitation 1934 Professor für Germanische Weltanschauung am
Lehrstuhl für Philosophie inMünchen. Vgl. Bockhorn: Von Ritualen,Mythen
undLebenskreisen (1994), S. 496.
125 Bockhorn:VonRitualen,MythenundLebenskreisen (1994), S. 495.
126 [Anonym:]WolfgangSchultzzumGedächtnis(1936),S.443.–Die,Mythologen‘
waren imNationalsozialismus im,AmtRosenberg‘tätig,während sichdieMuch-
Leute imideologiebildendenKonkurrenzunternehmenAhnenerbehervortaten.Zu
dieser Konstellation vgl. Olaf Bockhorn: „Mit all seinen völkischen Kräften
deutsch“ (1994). IV.4. Konkurrenzen undNetzwerke 219
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Germanistik in Wien
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Title
- Germanistik in Wien
- Subtitle
- Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Author
- Elisabeth Grabenweger
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-045927-2
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 290
- Keywords
- German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
- Category
- Lehrbücher