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sein Kolleg „schon so viele Stunden verloren habe“, dass er sich „nicht
entschließen“könne,„ohnezwingendeUmständeeineweitereabzusagen“.
„Gegen die geplante Titelverleihung habe [er]“, soMuch abschließend,
„übrigens nichts einzuwenden […].“141
Daraufhin wurde Arthur Haberlandt zwar der Titel eines außeror-
dentlichenProfessorsverliehen,142aberbezüglichdesLehrauftragspassierte
erneutübereinJahr langnichts,bis sichdervonMichaelHaberlandt, also
demVater, geleiteteVerein für Volkskunde der Sache annahm. In einem
vierseitigenBrief vom17.Februar1925 fordertenMichaelHaberlandtals
Präsident des Vereins, Eugen Oberhummer als Vizepräsident und Josef
Weninger alsGeneralsekretär den damaligenRektor derWienerUniver-
sität, den JuristenHansSperl, dazuauf, „für eine angemesseneVertretung
derVolkskundeandenHochschulenVorsorgezutreffen“.Dabeihandelte
essichumeinen„Wunsch“,sodieAbsenderweiter,der„schonoftundvon
sehrbeachtenswertenStellengeäussert“wordensei.Darüberhinauswurde
betont,dassauch„instudentischenKreisenselbstderWunschseitJahrund
TagregeistüberFragenderVolkskundeunddesVolkstumsüberhaupt,wie
insbesondere der heimischen deutschen Volkskunde, wissenschaftlichen
Aufschluss zu erhalten“.DerHinweis auf deutscheVolkskundewar dazu
geeignet,RudolfMuchsAufmerksamkeit zuerregen.MichaelHaberlandt
waraberkluggenug,einen„Lehrauftrag[ ] fürVolkskundemitbesonderer
Berücksichtigung ihrerRealien“zufordern.143DerZusatz„mitbesonderer
Berücksichtigung ihrer Realien“ hatte freilich zu bedeuten, dass der
Lehrauftrag eng an das Museum für Volkskunde und somit an Arthur
Haberlandt gebundenwerden sollte.
Und tatsächlich trat die Kommission daraufhin, am 23.Mai 1925,
erneut zusammenund entschloss sich, ArthurHaberlandt beimMiniste-
rium für einenLehrauftrag fürEuropäische Volkskundemit besonderer Be-
rücksichtigung ihrerRealien inVorschlag zubringen. „Europäische“wurde
deshalb eingefügt, da Rudolf Much alles daran setzte, die „deutsche
[Volkskunde, E.G.] nicht betont [zu] wissen“; zum einen, weil Arthur
Haberlandt, soMuch, „nicht inderLage [sei], solch spezialisiertesGebiet
gut zubehandeln“,undzumanderen,weil sonstdieGefahrbestünde,den
141 BriefvonMuchandenDekanderphilosophischenFakultätvom22.Jänner1924;
UAW,Phil. Fak.,Zl. 378 ex 1922/23, PA1843ArthurHaberlandt.
142 BescheiddesBundesministeriums fürUnterricht vom4.April 1924;UAW,Phil.
Fak., Zl. 378 ex 1922/23, PA1843ArthurHaberlandt.
143 Alle Zitate: Brief vonMichaelHaberlandt, EugenOberhummer und Josef We-
ninger an den Rektor der Wiener Universität vom 17. Februar 1925; UAW,
Universitätskanzlei, Zl. 573 ex 1924/25, PA1843ArthurHaberlandt.
IV. LilyWeiser
(1898–1987)224
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Germanistik in Wien
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Title
- Germanistik in Wien
- Subtitle
- Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Author
- Elisabeth Grabenweger
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-045927-2
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 290
- Keywords
- German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
- Category
- Lehrbücher