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„Weg einem anderen [zu] versperren“.144ArthurHaberlandt schien nach
über drei Jahre andauernden Auseinandersetzungen sein Ziel erreicht zu
haben, nur das Ministerium spielte nicht mit und verweigerte im No-
vember 1925mit Hinweis auf die finanzielle Lage des Staats einen be-
zahltenLehrauftrag.145
Während sich die Haberlandt-Fraktion noch um einen Lehrauftrag
bemühte, hatte sichRudolf Much schon darumgekümmert, den „ande-
ren“, dem „der Weg“ nicht „versperrt“ werden sollte, zu finden. Ganz
einfach kann das jedoch nicht gewesen sein, daMuchMitte der 1920er
Jahre zwar einen immer größer werdenden Studierendenkreis um sich
scharte, aber erst mit einem einzigen habilitierten Schüler aufwarten
konnte.Dieser SchülerwarAntonPfalz, der sich 1919 fürGeschichte der
deutschen Sprache und der älteren deutschen Literaturhabilitiert hatte,mit
einer volkskundlichenAusrichtungderGermanistikaber eigentlichnichts
anfangen konnte.146Dessen ungeachtet beantragteMuch (mitUnterstüt-
zungvonWaltherBrechtundDietrichKralik)am5.November1925,also
noch bevor der Lehrauftrag für ArthurHaberlandt offiziell vomMinis-
terium abgelehnt worden war, für Pfalz einen systemisierten volkskund-
lichen Lehrauftrag imUmfang von drei Stunden.147Die daraufhin ge-
bildeteKommission trat bereits am27.November 1925 zusammen und
musste vonMuch vorher informell zusammengestellt worden sein, denn
ihr gehörte kein einzigerVertreter oderUnterstützerder konkurrierenden
volkskundlichen Richtungen an. Sie bestand zum Großteil aus Muchs
Kollegen am Institut für Germanistik.148 Angesichts dieser Zusammen-
setzung verwundert es nicht, dass ohneDiskussion, in nur einer einzigen
Sitzung, einstimmig beschlossen wurde, für Pfalz einen Lehrauftrag für
144 Alle Zitate: Sitzungsprotokoll vom23.Mai 1925;UAW, Phil. Fak., Zl. 607 ex
1925, PA1843ArthurHaberlandt.
145 Vgl.BriefdesDekansderphilosophischenFakultätandasBundesministeriumfür
Kultus undUnterricht vom 14.November 1925; UAW, Phil. Fak., Zl. 607 ex
1924/25, PA1843ArthurHaberlandt.
146 AntonPfalzhatte sich1919mitderArbeitSuffigierungderPersonalpronomina im
Donaubairischen,Reihenschritte imVokalismushabilitiertundbeschäftigte sichvor
allemmit österreichischenundbayerischenDialekten.
147 Antrag vonWalther Brecht, Dietrich vonKralik undRudolf Much an die phi-
losophischeFakultät vom5.November1925;UAW,Phil.Fak.,Zl. 242ex1925/
26, PA2872AntonPfalz.
148 DerKommissiongehörtendieGermanistenRobertFranzArnold,WaltherBrecht,
EduardCastle,MaxHermann Jellinek undRudolf Much sowie derMineraloge
Friedrich Johann Becke, der Romanist Karl Ettmayer, der Linguist Paul Kret-
schmer undderAnglistKarl Luick an.
IV.4. Konkurrenzen undNetzwerke 225
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Germanistik in Wien
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Title
- Germanistik in Wien
- Subtitle
- Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Author
- Elisabeth Grabenweger
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-045927-2
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 290
- Keywords
- German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
- Category
- Lehrbücher