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ums.155 So blieb ihmLilyWeiser, die ihre ungewöhnlich dünne,mit 96
Seiten im Vergleich mit allen anderen zeitgenössischen germanistischen
Habilitationsschriften um durchschnittlich 250 Seiten kürzere Arbeit156
Altgermanische Jünglingsweihen undMännerbünde am6.November 1926
alsManuskript imDekanat der philosophischenFakultät derUniversität
Wien einreichte und sogleichmit demGesuch verband, ihr die Lehrbe-
fugnis fürGermanische Altertums- und Volkskunde zu verleihen.157Dabei
handelte es sichumGebiete,die,wieMuchinseinemBerichtbetonte, „in
gleicher Umgrenzung und Bezeichnung an einer deutschen, der Ham-
burgerUniversitätdurcheinebesondereLehrkanzelvertretensind“158.Die
zurBeratungeingesetzteKommissionbestanderneut,wieesbeiAnsuchen
vonRudolf Muchmeist der Fall war, nur aus freundlich gesinntenKol-
legen. Dietrich von Kralik, Max Hermann Jellinek, Paul Kretschmer,
OswaldMenghin, Friedrich JohannBecke, LudwigRadermacher, Alfons
Dopsch,OthenioAbelundAntonPfalzbeschlosseninihrererstenSitzung
am24.Mai1927 jeweils einstimmig,dass „das gewählteFach […]zuden
Fachgebieten der Fakultät“ gehöre, dass „FrauDrWeiser für dasHoch-
schullehramt persönlich qualifiziert“ sei und dass sie auch „die fachliche
Eignung hiezu“ besitze.159Damit war die Zusammenkunft nach 45Mi-
nutenbeendetundWeiser zumHabilitationskolloquium,beidemRudolf
Much, Dietrich von Kralik undMaxHermann Jellinek als Prüfer fun-
155 GutenbrunnerbegannseinStudiumimWintersemester1925/26undpromovierte
1931beiMuchmit derArbeitMüllenhoffs Altertumskunde imLichte der heutigen
Wissenschaft.DieGermanenundKelten. Stammeskunde.
156 ZumVergleich die Seitenzahlen der anderen Habilitationsschriften, die in den
1920er Jahren an derWiener Germanistik eingereicht wurden: Christine Tou-
aillon: Der Frauenroman des 18. Jahrhunderts (1919), 664 Seiten; Marianne
Thalmann:Der Trivialroman und der romantische Roman (1923), 326 Seiten;
Herbert Cysarz: Deutsche Barockdichtung (1924), 311 Seiten; Heinz Kinder-
mann: J.M.R.LenzunddiedeutscheRomantik (1925),367Seiten;FranzKoch:
Goethe und Plotin (1925), 263 Seiten;Walter Steinhauser: Die Genetivischen
Ortsnamen in Österreich (1927), 213 Seiten; Edmund Wießner: Heinrich
Wittenwilers Ring (1931), 345 Seiten. Der einzige Habilitand, dessen Arbeit
dünner als 200 Seiten geriet, war Hans Rupprich: Willibald Pirckheimer und
AlbrechtDürers ersteReise nach Italien (1930), 137Seiten.
157 Habilitationsgesuch vonLilyWeiser vom6.November 1926;UAW,Phil. Fak.,
Zl. 267 ex 1926/27, PA3686LilyWeiser.
158 Kommissionsberichtvom26.Mai1927,UAW,Phil.Fak.,Zl.267ex1926/27,PA
3686 Lily Weiser. – Die Professur fürDeutsche Altertums- und Volkskunde in
Hamburg hatte seit 1919der germanophileVolkskundlerOttoLauffer inne.
159 ProtokollderKommissionssitzungvom24.Mai1927,UAW,Phil.Fak.,Zl.267ex
1926/27, PA3686LilyWeiser.
IV. LilyWeiser
(1898–1987)228
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Germanistik in Wien
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Title
- Germanistik in Wien
- Subtitle
- Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Author
- Elisabeth Grabenweger
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-045927-2
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 290
- Keywords
- German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
- Category
- Lehrbücher