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Resümee
1933war die erste Phase der Privatdozentur von Frauen an derWiener
Germanistiknachnurzwölf JahrenwiederzuEnde.LilyWeiserwar1928
nachOsloausgewandert,ChristineTouaillonimselbenJahrgestorbenund
Marianne Thalmann emigrierte 1933 in die USA. EineNachfolge oder
Kontinuität in der Lehr- undForschungstätigkeit vonWissenschaftlerin-
nen am Institut für Germanistik bildete sich nicht. Erst 1955,mehr als
zwanzigJahrespäter,wurdemitderAltgermanistinBlankaHoracekerneut
einerWissenschaftlerin dieVenia Legendi verliehen.
Dass inden1920erJahrenüberhauptdreiFrauendemLehrkörperder
Wiener Germanistik angehören konnten, hing mit einer besonderen
Konstellation, d.h. mit der Gemengelage tiefgreifender institutioneller,
fachlicher und personalpolitischer Veränderungen zusammen.Gerade zu
dieser Zeit kam es an derWienerGermanistik zu einemBruch der pro-
fessoralen Erbfolge und des germanistischen Schulzusammenhangs, zu
einer krisenhaft erfahrenen Konfusion und Differenzierung der wissen-
schaftlichen undmethodischen Ausrichtung des Fachs, zu einembedeu-
tendenPrestigeverlustderPrivatdozenturundzueinerVervielfachungder
Studierendenzahlen.DasZusammentreffendieserVeränderungen,die für
sich genommen keinen oder nur geringenEinfluss auf dieGeschlechter-
verteilunganderUniversität hatten,bestimmte,wie gezeigtwurde,durch
seine Gleichzeitigkeit die Positionierungsmöglichkeiten und die Aner-
kennung vonFrauen imWissenschaftsbetriebwesentlichmit.
Zunächst ließ sich feststellen, dass die Lehrstuhlbesetzungen an der
WienerGermanistik nach einer Konsolidierungsphase, die von 1848 bis
1868 dauerte, einem klaren Berufungsmechanismus folgten.Dabei wur-
densowohldieProfessuren fürdasneuerealsauchfürdasältereFachnach
denselben Kriterien besetzt: In beiden Fachbereichen wurde der Nach-
folger vomjeweiligenVorgänger gezielt ausgesucht, erhatte inWienoder
an einer anderen Universität bei Wilhelm Scherer studiert, musste
Österreicher sein und einem von der Fakultät vertretenen Konzept der
schulischenKontinuität entsprechen, das die wissenschaftliche und ethi-
scheAusrichtungaufphilologischePrämissendesFachsmiteinschloss.Bis
zumJahr1912standendamitalleBerufungenanderWienerGermanistik
im Zeichen selbstverständlicher, d.h. auch konfliktfreier Traditionsbe-
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Germanistik in Wien
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Title
- Germanistik in Wien
- Subtitle
- Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Author
- Elisabeth Grabenweger
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-045927-2
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 290
- Keywords
- German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
- Category
- Lehrbücher