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gung vonMännern und Frauen beiHabilitationsverfahren einsetzte, be-
anspruchte dieUniversität Graz für sich einen Autonomiestatus, der die
alleinige Auswahl des akademischen Personals durch die Universität –
ungeachtet rechtlicher Vorgaben – mit einschloss. Dass Touaillons An-
sinnen inWien 1921 schließlich Erfolg beschiedenwar, hing zum einen
damitzusammen,dassmitderRomanistinEliseRichter1907bereitseiner
FrauanderphilosophischenFakultätdieVeniaLegendi verliehenworden
war, demnach keine grundsätzlich ablehnende Haltung gegenüber der
rechtlichenundpolitischenGleichstellungvonFrauenundMännernmehr
eingenommenwerdenkonnte;zumanderenaberauchmitderBereitschaft
Walther Brechts, Touaillons Habilitationsverfahren zu betreuen. Nicht
zuletzt waren auch Touaillons Forschungsthema undTitel derHabilita-
tionsschriftDer deutsche Frauenroman des 18. Jahrhunderts entscheidend.
So war Literatur von Frauen innerhalb der Deutschen Philologie in
Wechselwirkungmit der Professionalisierung des literarischen Feldes ab
dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert zunehmend marginalisiert
worden.InderuniversitärenForschungwarenFrauenvorallemalsMusen,
Geliebte und Briefpartnerinnen kanonisierter Autoren oder unter dem
Prädikat ,weiblich‘ alsGruppe vonEigenschaften, die die ,Natürlichkeit‘
einer Entwicklung anzeigen sollte, präsent. Touaillons wissenschaftliche
Spezialisierung bedeutete, dass sie sich nicht in den Kanon der ,bedeu-
tenden‘ Forschungsthemen einschrieb und damit nichtmit ihrenmänn-
lichenKollegeninKonkurrenztrat,waszeitgenössischalsdurchwegpositiv
wahrgenommenwurdeundzu ihrerAkzeptanzalsPrivatdozentinbeitrug,
ihr es gleichzeitig aber auch verunmöglicht hat, sich außerhalb dieses
Nischenthemas zu profilieren.
Die ambivalenteste Figur unter denWiener Privatdozentinnen war
MarianneThalmann, die sich 1924mit derArbeitDerTrivialromanund
derromantischeRomanebenfalls fürdasneuereFachhabilitierte.Thalmann
markiertemit der Titelgebung ihrerHabilitationsschrift und der promi-
nenten Setzung desBegriffs ,Trivialroman‘, den sie als Fachterminus ein-
führte, ebenfalls die Behandlung eines Nischenthemas. Diese wissen-
schaftliche Selbsteinordnung Thalmanns mag mit strategischen
ÜberlegungenzurZulassungvonFrauenzurPrivatdozenturzutungehabt
haben.Tatsächlichbeschäftigt sich ihrBuchnämlichmitder literarischen
Romantik, die in den 1920er Jahren zur meistbehandelten Epoche in-
nerhalb derGermanistik avancierte. Darüber hinaus schrieb sie sichmit
ihrerStudieindiezeitgenössischvielbeachteteAuseinandersetzungumeine
geistesgeschichtlich ausgerichtete Literaturwissenschaft ein, in der davon
ausgegangen wurde, dass nicht nur der Inhalt, sondern vor allem die
Resümee234
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Germanistik in Wien
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Title
- Germanistik in Wien
- Subtitle
- Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Author
- Elisabeth Grabenweger
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-045927-2
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 290
- Keywords
- German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
- Category
- Lehrbücher