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nominell festgeschriebenwurde.Weiser selbst verließ dieUniversität be-
reits 1928, zognachOslound trat erstwieder imNationalsozialismus als
Mitarbeiterin undVertrauensfrau der ,Wissenschaftsorganisation‘ der SS,
desAhnenerbes, inErscheinung.Die ,Männerbundschule‘, als deren erste
HabilitandinWeiser fungierte,wurdeschließlichmitzahlreichenweiteren,
vonMuch betreutenHabilitationen in den 1930er Jahren zu einer uni-
versitätspolitischmächtigen Ideologie- undForschungsgemeinschaft.
Das 1933mitMarianne Thalmanns Emigration anzusetzende Ende
deruniversitärenLehrtätigkeitvonFrauenanderWienerGermanistikging
einher mit der zunehmenden Politisierung der Professorenschaft, die
spätestens ab Ende der 1920er Jahre überwiegend antisemitische und
deutschnationale Ideologienvertrat.WieStudienzurWienerGermanistik
imNationalsozialismus zeigen, hatten die Veränderungen der akademi-
schen Landschaft imNationalsozialismus auchwesentlichenEinfluss auf
die Auswahl der als Mitglieder der Universität akzeptierten Wissen-
schaftler.
Welche Rolle den Frauen an derWiener Germanistik dabei zukam,
bedürfte einer weiterenUntersuchung. Zum einenwar es für Frauen im
Nationalsozialismus gerade durch eine explizite ideologische Haltung
möglich, universitärKarriere zumachen, zumanderen endetedie relative
Offenheit derWienerGermanistikmitBeginnder 1930er Jahre undder
gleichzeitig stattfindendenEntdemokratisierung desUniversitätsbetriebs.
Doch nicht nur über den Status und die Akzeptanz vonWienerGerma-
nistinnen während desNationalsozialismus fehlen eingehende Analysen,
sondern auch über die Zeit nach 1945. Besonderes Augenmerk müsste
dabei der Rolle und Aufgabe der Privatdozentur gewidmet werden. Er-
schwertwerdendieseForschungendurchdie(damalige)Sammlungspolitik
maßgeblicher Archive, die sich vor allem um Nachlässe erfolgreicher
Männerbemühten.Sowares trotz intensiverRechercheninverschiedenen
Universitäts-, Literatur- undhistorischenArchiven, inAmtsgerichten, bei
noch lebenden Familienangehörigen und in Privatsammlungen nicht
möglich,dieNachlässe vonChristineTouaillonundMarianneThalmann
ausfindig zumachen. Interessantwären dieseNachlässe vor allem für ex-
plizit biographische Forschungen. Eine multiperspektivisch angelegte
Analyse desWissenschaftsbetriebes derWienerGermanistik, ihrer Fach-
und Institutionengeschichte, wie sie in der vorliegenden Studie unter-
nommenwurde, beruht hingegen auf derZusammenschau einerVielzahl
komplexerQuellen aus unterschiedlichen Sammlungen.
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Germanistik in Wien
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Title
- Germanistik in Wien
- Subtitle
- Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Author
- Elisabeth Grabenweger
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-045927-2
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 290
- Keywords
- German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
- Category
- Lehrbücher