Page - 198 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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Mann von seltener Tugend und großer Gelel'rs.nnteit, nach
Grätz berufen. Diesem, als dem Abgeordnelen seines Ordens,
überlief, er die Freiheit der Wakl des neuen Klosters. Da nun
auf Befehl des Herzogs zur Elnc Gottes gerade einige Tage
vorher (am 8. Aug. d. I. 1609) an dieser Stelle wie die
Sage gellt, auf jener rollen Steinplatte, die jetzt vor der er-
sten Altarstuse am Boden ;u sclien ist — mehr denn lü,0(w
protestantische Bücher dem Feuer überliefert worden waren,
so crkol'r Pater Laurcntius gerade diesen Platz ;»r künftigen
Wohnstattc seiner Ordensbrüder. Schon am 10. desselben
Monats, dein Tage des heil. Laurentius, wurde das Krein,
das bekannte Zeichen dieses Ordens, am Fuße des Schloßbcr-
ges errichtet, in Gegenwart des ganzen herzoglichen Hofstaa-
tes von dem päpstlichen Gesandten und Bischof zu Zldria,
Hicronumus Grafen von Porüa, der erste Grundstein n> dem
neuen Kirchen- und Klostergebäudc gelegt, und der Bau so
rasch gefördert, daß die Kirche bereits am 6. Oct. des I. 1602
von tcm Kirchen-Fürsten Martin Brenner, Bischof n> Seckau,
dein glühendsten Feinde der neuen Lclirc, eingeweiht werden
konnte. Das Kloster wurde ««gleich mit einer (5jsteine verse-
hen, die ibres trefflichen Wassers wegen ,um Gebrauche des
Hofes verschlossen gefallen wurde. Bald nach seiner Grün-
dung wurde das Kloster der Zitz des Provinuals aller inner-
österreichischen Klöster des Kapuziner-Ordens. Durch Kaiser
Joseph II. wurde auch dieses Kloster aufgehoben und im I.
1788 ;u einer Anstalt für Geisteskranke verwendet. Die Kir-
che bclnelt aber einen Benefn'iaten, welcher die Teclsorge in
den benachbarten Wol'lttiaiigteits-Anstalten versicl't.
Die Kirche ist von außen und im Innern clmc Bedeu-
tung und nur wegen drei großer Altarblätter einiger Beachtung
wertl). Pas Hauptaltarblatt und das Vild des improvisirten
Seitenaltars sind von Petrus de Pomis, und in tuustgeschicht-
lichcr Hinsicht als Beweise merkwürdig, wie weit man in jener
Zeit der verfallenden Kunst, in unglücklicher Nachahmung der
akademischen Stellungen Michael - Angelo Vuonarctti's , und
in Nebertrcibung dessen, was in seinen gewaltigen Bildern sich
noch gut, ja sogar bewunderungswürdig ausnimmt, von dem
wahren Ziele schöner Darstellung abirren konnte. Schade, daß
beide schon stark gelitten haben.
Das erste« Bild, auch ob der darin ausgedrückten Idee
merkwürdig, zeigt uns im äußersten Vcrgrunde eine Gruppe
von Heiligen, unter denen man Nochus, Sebastian, diesen in
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Title
- Grätz
- Subtitle
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Author
- Gustav Schreiner
- Publisher
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Location
- Graz
- Date
- 1843
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.55 x 20.25 cm
- Pages
- 638
- Keywords
- Graz, Steiermark, Stadt
- Categories
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918