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Aus diesen beispielsweise angeführten Preisen mag man
den Stand der Wchlfcilhcit cdcr Theuerung erkennen.
8- ».
Lebensweise.
Die Lebensweise der Vcwchner von Grätz unterscheidet sich
wenig von der anderer Städte. 5er Tisch ist auch bei wohl-
habenderen Familie» einfach, die Zubereitung gut: meist vier
Gerichte genügen >ur Sättigung. In der Walil feiner Essens-
zeit lasil sich der Mittelstand weniger durch die Mode, als durch
die Natur bestimmen; das frühstück wird daher in den Mor-
genstunden, das Miltagsmal'l um i2 Ubr genommen, und
Abende »>u 7 Hin- gespeist. Beamtete und Honoraiioren spei-
sen größicntlieils nach 1 Uhr; der Adel um 2 oder .^ Uhr;
nur einige wenige Familien haben eine noch spätere Speise-
stunde gewählt. Zu Abend wird zwar in den meisten Fami-
lien auch gegessen, doch bestell das Abendmal'l ausier Suppe nur
noch aus einem, höchstens ;wci leichteren Berichten. T i^e in
den Gasthäusern speisenden Männer nelnnen mm Abendmal'le
nur selten mehr als eine Speise n> sich. — Das gewölmliche
Getränke in den meisten Familie» bildet das Wasser; Abends
wird viel melir Vier als Wein, ui Mittag sonst nur Wein,
und dieser sehr mäßig getrunken. <5s wird nicht eben sehr
viele Männer geben, die bei dieser Gelegeuheit mehr als an-
derthalb Scitcl Wein trinken. Die stärkeren Weine der südli-
cher» Landestheile, der Luttenbergcr insbesondere, werden von
den Meisten mit Aengstlichkeit gemieden. — Im Allgemeinen
liebt der Grätzer eine kärgliche Nal'rung so wenig, als der
Wiener. Ueberl'aupt aber könnte man dem Grccher wo! nur
mit Anrecht de» Vorwurf machen, das« er »u viel esse oter
trinke; selbst das Dicnstgesinde der Stadt, welches auf dem
Lande denn doch an eine derbere und sehr reichliche Nal'rung
gewöhnt ist, kann mit diesem Vorwurfe nicht belegt werten.
Nur die Sonn- und Feiertage mache» bei dieser und überliaupt
bei den unteren Vclksclassen einr Ausnahme. Nach den Mü-
hen und Anstrengungen der sechs Werktage überlasit sich diese
gerne der Fröhlichkeit und in dieser einem reichlicheren Ge-
nüsse von Speise und Getränke. An selchen, besonders aber
an gewissen Festtagen, z. V. am Flcrianitage, am Peter und
Paulötage u. dgl., und im Fasching ist es wcl nichts Selte-
nes, Leuten zu begegnen, die des Guten zu uicl gcthan haben.
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Title
- Grätz
- Subtitle
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Author
- Gustav Schreiner
- Publisher
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Location
- Graz
- Date
- 1843
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.55 x 20.25 cm
- Pages
- 638
- Keywords
- Graz, Steiermark, Stadt
- Categories
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918