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Eine andere Belustigung gewahrt der dienenden Vlaffe,
den Gesellen und Lehrjungen und selbst den Studierenden die
türkische Musik, welche bei anbrechender Nacht zum Zapfen-
streiche gemacht wird, und unter deren Schall die betreffende
Bande einige Straßen der Stadt und der Vorstädte durch-
wandert, begleitet von einem tickt gedrängten Schwärme von
hcrlustigcn Leuten der eben genannten Art.
Die höheren Ständcclassen ergötzen sich auf ganz andere
Weise. Die Sucht des Sichscl, cn lasse ns befriedigt die Grä-
tzer schöne Welt auf dem großen Glacis, auf dem nach Ver-
schiedenbcit der Jahreszeiten in den Vormittagsstunden «cn
11'/y bis 1 Ilhr und Nachmittag von 3 bis 5, im Sommer
jedoch von 7 bis 9 Nhr, Jung und Alt in buntem Gedränge
auf- und abwogt. — Die Maskenbälle, welche zur Zeit der
Fastnachts-Lustbarkeiten im ständischen Rcdoutcn-Saale abge-
halten werden, haben von ilncr früheren Bedeutung viel ver-
loren, auch an Wohlanständigtcit eben nicht gewonnen, und
werden darum, zwei bis drei bestimmte Tage ausgenommen,
an denen die Säle der Rcdoute überfüllt sind, meist nur
von Personen der mindern Classcn besucht.
Die Schlittenfahrten, welche durch Ialne außer Mode
waren, kamen in den jüngst abgelaufenen Jahren auch hier
wieder in Schwung und werden sowol von Honoratioren, als
auch vom hohen Adel veranstaltet; ja selbst die Studierenden
machen sich dieses Vergnügen, wobei immer ein entfernterer
Velustigungöcrt, z. B. der Buntigam, oder ein Gasthaus in
Premstätten u. s. w. das Ziel der Fahrt ist.
Auch das Schlittschuhlaufen wurde bisher in Grätz
mit Lust getrieben. Der Hauptschauplatz dieser Belustigung
war der nun ganz verschüttete und zu Bauplätzen verwendete
sogenannte Breunerteich (siehe S. 55), an dessen Nfcr sich
an Sonn- und Feiertagen nicht selten eine große Menge von
Zuschauern einfand, insbcsonlers aber dann, wenn die Päch-
ter des Teiches für Musik gesorgt halten.
In die Reihe derjenigen Vergnügungen, denen viele Bewoh-
ner von Gratz, besonders aus dem Stande der Beamten, Guts-
besitzer und des Adels, letztere mit Leidenschaft, obliegen, gehört
die Jagd, so gering auch die Auebeute derselben ist (siebe
S. 58 u. 97). — Zu de» ländlichen Vergnügungen der wohl-
habenderen blasse muß noch die Weinlese gerechnet werden,
welche gewöhnlich im Kreise guter Bekannten abgehalten, den
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Title
- Grätz
- Subtitle
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Author
- Gustav Schreiner
- Publisher
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Location
- Graz
- Date
- 1843
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.55 x 20.25 cm
- Pages
- 638
- Keywords
- Graz, Steiermark, Stadt
- Categories
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918