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Fremden durch Pöllerschüsse angekündigt und mit einer klei-
nen Jause (Vesperbrot) und einem 3än;cken beschlossen wird.
Der erste Mai wird, wenn die Witterung günstig ist,
von dem Mittelstande, und fallt er an einen Sonntag, auch
von den unteren Volksclasscn ebenfalls mit Lust gefeiert; dann
ist das game Gebirge des linken Flußufers durch die bunte-
sten Gruppen lustwandelnder Städter belebt, die schon in den
frühcsteu Morgenstunden nach allen Richtungen in die schöne
Landschaft hin,ius;iel,en und sich am Erwachen der jugendli-
chen Natur erfreuen; dann erschallen die Töne der Musik
ringsum im Gebirge, in den öffentlichen Gärten und ande-
ren ^elustigungsorten; dann wenden von befreundeten Fami-
lien gemeinschaftliche Ausflüge verabredet, oder es wird wenig-
stens das Mittagsmal irgendwo im Freien uuier heiteren Scher-
zen in Gesellschaft guter Freunde und Vckaunteu vermehrt.
Auch die heiteren Sommerabende bringt der Gratzer gerne
lm Freien bei Helle (siehe S. 252), auf dem Noscn- und
Nuckerlberge, in Maria-Grün oder Eggenberg, oder wenig-
stens in einem der vielen Vcrstadtgärten ;u.
Zu den viel besuchten Polk^esten gehören auch schliesilich
noch die mancherlei Kirchweilifeste, von denen bei den Umge-
bungen wird gehandelt werden. (Siehe: Gösting, Maria-Grün,
der Ulrichsbruuncn, der Florianiberg, St. Peter u. m. A.)
8. 5.
Geistesbildung.
Ungeachtet Gratz eine Univcrsitäts-Stadt und überhaupt
ein Ort ist, welcher der Vildungsanstaltcn viele in sich schließt,
so hat doch die Geistesbildung in ihm noch keinen hohen
Aufschwung gewonnen. Kunst uud Wissenschaft sind noch im-
mer nicht zu vorwaltenden Elementen des geselligen Lebens
geworden. Ter Hang zu materiellen Genüssen und die Ge-
wohnheit, dasjenige vorzugsweise im Auge zu behalten, was
die Summe der materiellen Genüsse zu vermehren geeignet
ist, haben noch immer in vielen Kreisen der Gesellschaft den
Einfluß jener ,wci das Leben veredelnden und verschönernden
Genien gehemmt, obgleich nicht geläugnet werden kann, daß
selbst bei einer sehr großen Anzahl solcher Personen, denen die
Pflege der Wissenschaften nicht durch ihr Amt zur Pflicht ge:
macht ist, ein reges wissenschaftliches Streben sich deutlich offen-
bare. — Der Mangel an Gelegenheiten, in denen durch fort-
gesetztes Zusammensein ein regelmäßiger geistiger Verkehr un-
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Title
- Grätz
- Subtitle
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Author
- Gustav Schreiner
- Publisher
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Location
- Graz
- Date
- 1843
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.55 x 20.25 cm
- Pages
- 638
- Keywords
- Graz, Steiermark, Stadt
- Categories
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918