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154 Eigentum — Einbildungskraft.
im Begriff des einen Dinges (s. d.) mit vielen Eigenschaften einen Widerspruch,
den er dadurch löst, daß er die E. aus Beziehungen des Dinges zu anderen
Dingen ableitet. Daß die E. den Dingen nur im Zusammenwirken mit anderen
unter bestimmten Bedingungen zukommen, betonen LOTZE (Gr. d.
1887, S. 17), GOLDSCHEID U. a. Als Wirkungsweisen der Dinge bestimmen die
E. HÖFFDING, JERUSALEM („potentielle Wirkungen"), NIETZSCHE U. a.; vgl.
SCHUBERT-SOLDERN (Gr. einer (Erkenntnistheorie, 1884, S. 132 ff.). — Nach
sind E. im engern Sinne nur die dauernden Merkmale eines Dinges
Studien XIII, 386; Logik 1906, S: 460 ff.).
Nach positivistischen Denkern wie MACH, PETZOLDT a. besteht das Ding
aus einem Komplex von Eigenschaften, ist nichts diesem; vgl.
VAIHINGER, Die Philos. d. Als ob, 1911 (s. Ding); Ordnungslehre, 1912.
Vgl. Attribut, Qualität, Zustand, Erscheinung, Subjektivismus, Relativis-
Relation, Akzidenz.
Eigentum ist, im Unterschiede vom bloßen „Besitz", die rechtliche Herr-
schaft über ein Gut. Betreffs der Natur und Grundlage des E. gibt es ver-
schiedene Theorien: Natürliche Eigentumstheorie, nach welcher das E.
ein ist, welches die menschliche Persönlichkeit zu ihrer Menschlich-
keit und Freiheit nötig hat (FICHTE, STAHL U. 2. Okkupationstheorie (E.
erste Besitzergreifung und deren Vererbung); 3. (E. auf
Arbeit sich stützend; LOCKE U. a.); 4. Vertragstheorie (GROTIUS,
KANT U. a.); 5. Legaltheorie (E. auf das positive Recht, Gesetz stützend;
HOBBES, MONTESQUIEU, KANT U. a.). Die Soziologie zeigt, daß dem
Privateigentum an Waffen, Gerät, Schmuck u. auf früheren Kultur-
stufen vielfach ein Gemeineigentum an bestand und besteht. Der
Sozialismus fordert die Aufhebung des Privateigentums an den
Produktionsmitteln; der Anarchismus anerkennt z. T. keinerlei Privateigen-
tum. Der Ausspruch PROUDHONS: „La le ce que
la 1840; ähnlich schon BRISSOT) bezieht sich wesentlich auf
Eigentum an Boden. — * Vgl. A. v. Dantes Philos. des
Eigentums, Archiv f. Rechts- und 1912 ; KANT, Metaphys.
der Sitten I, § 1 ff.; § 8: „Etwas Äußeres als das Sein zu haben, ist nur in
rechtlichen Zustande . . . möglich"; FICHTE, Der geschlossene
staat, 1800; Grundlage des Naturrechts, FELIX, Entwickelungsgesch.
Eigentums, ff.; DE LAVELEYE, De la 1891; deutsch (Das
Ureigentum) von 1879; ENGELS, Der Ursprung der Familie
Vgl. Rechtsphilosophie, Soziologie, Gerechtigkeit.
Eigenwert ist der Wert (s. d.), den etwas für sich selbst hat, insbe-
der Persönlichkeitswert. Vgl. LTPPS, Ethische 1899,
29; DÖRING, Philos. Güterlehre, 1888. Vgl. Sittlichkeit.
Einbildung ist eine Vorstellung ohne realen Gegenstand oder eine un-
begründete Meinung, eine grundlose Über s.
Phantasie.
produktive (reine, nach
KANT eine der „subjektiven Erkenntnisquellen", welche zwischen Anschauung
nnd Denken vermittelt und die Anwendung der Kategorien d.) auf den
Erfahrungsinhalt ermöglicht. Sie gehört einerseits zur ander-
ist sie durch die Aktivität („Spontaneität") ihrer Synthese
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften