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eyvco ndvxcov xgaxeX, ndvxa Simplicius,
Aristot. Phys. 33; vgl. Arleth, Archiv für Geschichte der Philos. VIII).
— Als obersten Teil der Seele betrachtet den die Denkkraft
PLATON IV, 435) und nach ARISTOTELES ist er die
Kraft der menschlichen Seele, das Denkprinzip derselben vovv
xal r) De anima III 4, 429 a 23). Er ist nicht
mit dem Leibe vermengt, ist einfach, stetig, leidlos, rein, vom Leibe trennbar
xal xal 1. c. III 5, 430 a 17), unvergänglich, göttlich
er stammt „von außen" und ist allein unsterblich
(s. d.). Vgl. F. BRENTANO, Lehre vom Ursprung des
Geistes, 1911. — Während die Stoiker die Einheit von Geist (s.
und Stoff lehren, betrachtet PLOTIN den G. wieder als etwas
Der „Geist"' (vovg) ist eine allgemeine Emanation (s. d.) aus dem göttlichen
„Einen"; indem er dieses denkt, ist er, und sein Sein besteht im
Denken, in der Gesamtheit der „Ideen" (s. d.). Die „Anderheit", der
satz von Denken und Gedachtem ist ihm eigen. Aus ihm geht dann die Welt-
seele (s. d.) hervor, und in der Seele (s. d.) selbst ist der vovg die oberste
(Enneaden IV, 1; 5; 8; II, 9, 2).
Im Mittelalter wird unter Geist (spiritus) meist eine immaterielle,
nünftige und wollende Substanz verstanden, ferner (mens) die höchste,
Abstrakte, Allgemeine erfassende Denkkraft (vgl. Intellekt; nach THOMAS
der G., „mens", „ipse intellectus examinans res"; „mens in anima nostra
quod est altissimum in virtute ipsius").
In schroffster Weise stellt DESCARTES G. und Körper einander
(s. Dualismus, Seele). Der Geist ist eine einfache, unausgedehnte,
denkende Substanz. SPINOZA hingegen faßt Geist und Körper als Daseinsweisen
der einen Substanz auf Identitätstheorie). Der Spiritualist LEIBNIZ betrachtet
Körper als Erscheinung geistiger „Monaden" (s. d.), unter denen aber nur
eigentlichen „Geister" Denken und Selbstbewußtsein haben. Nach BERKELEY
existieren an sich nur Geister, denkend-wollende Substanzen (Princ. of
knowledge, XXVII; vgl. Objekt, Idealismus). Hingegen führen die
das Geistige auf etwas Physisches zurück. Nach KANT endlich liegt
dem Geiste wie dem Körper ein unerkennbares „Ding an sich" zugrunde. Er
betont, daß uns die Seele nicht als ein Geist, d. h. als ein immaterielles,
faches Wesen gegeben ist, daß wir über ihre Geistigkeit in diesem Sinne
nichts ausmachen können (gegen den Spiritualismus, auch gegen SWEDENBORG,
nach welchem ein Reich von Geistern existiert, die miteinander in
stehen, Theol. Schriften, 1904; KANT, Träume eines Geistersehers, erläutert
durch Träume der Metaphysik, 1766). „Meinen, daß es reine, ohne
denkende Geister im materiellen Universum gebe, heißt dichten, und ist
keine Sache der Meinung, sondern eine bloße Idee, welche übrig bleibt,
man von einem denkenden Wesen alles Materielle wegnimmt und ihm
das Denken übrig läßt" (Krit. d. Urteilskraft, S. vgl. H. Dreyer, Der
Begriff Geist in der deutschen Philos. von Kant bis Hegel, 1908). Im engeren
Sinne versteht Kant unter „Geist" das „durch belebende Prinzip
Gemütes" (Anthropol. I, § 69 ß; Krit. d. Urteilskraft, § 49). „Geisteskräfte
sind diejenigen, deren Ausübung nur durch die Vernunft möglich ist"
Anfangsgründe der Tugendlehre, 1797, S. 111). HERBART nennt G. die
„sofern sie vorstellt" (Lehrbuch zur Psychol.8, 1850, S. 29) und auch sonst
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book Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften