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Handwörterbuch der Philosophie
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242 Genuß — Gerechtigkeit. Schaffens. So (ähnlich wie GERARD, Essay on Genius, 1774) KANT. G. ist die „meisterhafte Originalität der Naturgabe eines Subjekts im freien Gebrauch seiner Erkenntnisvermögen" (Krit. d. Urteilskraft, § 49), die angeborene anlage, „durch welche die Natur der Kunst die Regel gibt" (1. c. § 46). G. ist auch „das Vermögen ästhetischer Ideen" (vgl. Schlapp, Kants Lehre vom G., 1901). Das G. produziert ohne bewußte Zwecksetzung. Dieses „unbewußte" Schaffen betont auch GOETHE, und SCHILLER betont die „Naivität" des während JEAN PAUL das Wesen desselben in die „Besonnenheit" setzt (Vor- schule d. Ästhetik, § 12). Als „vollkommenste Objektivität" bestimmt die Genialität SCHOPENHAUER, als „Fähigkeit, sich rein anschauend zu Das Wesen des G. liegt in der „Vollkommenheit und Energie der anschauen- den Erkenntnis" (Die als Wille u. Vorstell. I. Bd., § 36; IL Bd., K. H. TÜRCK (Der geniale Mensch6, 1903, S. 13 ff.). Nach HUMBOLDT ist das G. ein Mensch, in dem sich eine Idee geltend macht (vgl. KITTEL, Ideen über G. u. 1900). Auf die Verwandtschaft des G. mit pathologischen Geisteszuständen weisen ARISTOTELES, CICERO disput. I, 33), SCHOPENHAUER, LOMBROSO, NORDAU, MÖBIUS, DILTHEY U. a. hin. — Vgl. DILTHEY, Dichterische Ein- bildungskraft und Wahnsinn, 1886; BRENTANO, Das Genie, 1892; E. GYSTROW (= W. Hellpach), Soziologie des G., 1900; TARDE, Logique sociale, 1895, S. 162 ff.; G. SEAILLES, Das künstlerische G., 1904; LOMBROSO, Der geniale Mensch,. 1890; Genie und Irrsinn, Univ.-BibL; P. MÖBIUS, Über Kunst und 1901; W. HIRSCH, G. und Entartung, 1894; RADESTOCK, G. und 1884; A. PAUL, Wie empfindet, denkt und handelt der geniale Mensch?, 1909; A. REIBMAYR, Entwicklungsgeschichte des Talentes u. Genies, 1908; F. Genie u. Vererbung, 1910; L. PASCAL, nouvelle sur la Psycho- logie du 1910; W. OSTWALD, Große Männer, 3. u. 4. A. 1911; J. Zur Kritik des Geniebegriffes, 1912. — Vgl. Talent, Geschichte, Übermensch. Genuß s. Hedonismus. VgL ALLOSTIS, Die Tugend des G., 1904. von der Erde als Mittelpunkt aus betrachtet, die Erde als Mittelpunkt des um die sich alles dreht, betrachtend (im Ptolemäischen Weltsystem, dem das heliozentrische Weltsystem entgegen- tritt). Vgl. Gerechtigkeit iustitia) ist das rechtmäßige Verhalten so- wie der Wille zum Rechtmäßigen, die Tugend der Gerechtigkeit. Gerecht im juridischen Sinne, was dem positiven Rechtswillen entspricht, im rechts- philosophischen Sinne, was dem Rechtsideal, dem Rechte, wie es sein soll, es als Bedingung einer vollkommenen Gemeinschaft erscheint, entspricht. Postulat der formalen Gerechtigkeit geht dahin, daß jeder Staatsbürger gleicher Weise nur so behandelt wird, wie es das Gesetz, bzw. der verlangt, während die G. im höheren Sinne die Behandlung jedes Menschen in der Art, wie er es als Mitglied der sozialen Gemeinschaft beanspruchen und so, wie es der ideale Gemeinschaftswille selbst bedingt, einschließt. Ideal sozial-rechtlicher G. kann immer nur annähernd, durch Einflußnahme auf das positive Recht, auf die Gesetzgebung und Rechtsschöpfung, sich ver- wirklichen. Dazu gehört, daß jeder: 1. nach seiner Würde als Mensch, 2. Gemeinschaftsmitglied überhaupt, 3. nach seinem persönlichen Wert, seinen Leistungen und Opfern behandelt wird.
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Handwörterbuch der Philosophie
Title
Handwörterbuch der Philosophie
Author
Rudolf Eisler
Publisher
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Location
Berlin
Date
1913
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
Size
12.7 x 21.4 cm
Pages
807
Keywords
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Category
Geisteswissenschaften
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