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Handwörterbuch der Philosophie
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Page - 281 - in Handwörterbuch der Philosophie

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Hypothese. engeren Sinne ist die H. die vorläufige Annahme der Gültigkeit eines Ungewissen, allgemeinen Satzes, genauer: die Annahme eines für eine Klasse von Vorgängen, der zwar nicht durch die Erfahrung auch nicht denknotwendig ist, aber zur Ausfüllung der Lücken der und zur Herstellung eines widerspruchslosen Zusammenhanges von inhalten geeignet erscheint. Die H. setzt also etwas als Ursache, aus sie eine Klasse von Erscheinungen ableitet, begreiflich macht. Ob die H. be- rechtigt, richtig ist, zeigen die Konsequenzen, die sich aus ihr ergeben, die währungen an der Erfahrung, das Ausbleiben von Widersprüchen mit fahrungstatsachen und anerkannten Wahrheiten. Außerdem muß eine gute H. möglichst einfach, ungezwungen, durch die Tatsachen selbst gefordert, lichst fruchtbar (d. h. vieles erklärend) es darf ihr auch nicht eine Tatsache widersprechen. Zwischen verschiedenen, sonst gleich brauchbaren Hypothesen besteht oft ein Wettstreit, der meist mit dem Siege der zweckmäßigen H. endet. Erweist sich im Fortgange der Forschung eine die einzige, welche noch in Betracht kommen kann, so wird sie zur (s. d.). Anderseits zeigt es sich, daß manche H. eigentlich nur eine (s. d.) ist (vgl. VAIHINGER, Die Philos. des Als ob, 1911). Die H. ist ein un- entbehrlicher Durchgangspunkt des Erkennens; nur vor allzu unnützen, unzweckmäßigen Hypothesen hat sich die positive Wissenschaft zu hüten. Auch die Philosophie kann der H. nicht entbehren. Die „Hypotheseo- phobie" des Positivismus ist also nicht ganz berechtigt. — („working hypothesis", MAXWELL) ist eine H. nur zur Regelung und Er- leichterung der Forschung, nicht als endgültige Auffassung der Wirklichkeit (vgl. W. VOIGT, Arbeitshypothesen, 1905; vgl. Parallelismus). Gegen die Aufstellung willkürlicher Hypothesen, aber nicht gegen die überhaupt, erklären sich LOCKE (Essay concern. hum. understand. IV, K. 12, § 12), NEWTON („hypotheses non vgl. Philos. natural. sct. V) u. Nach KANT ist H. eine Meinung, die mit dem Wirklichen und Gewissen Erklärungsgrund in Verbindung gebracht ist. Zur Erklärung gegebener Er- scheinungen können aber keine Gründe gesetzt werden, als solche, „nach schon bekannnten Gesetzen der Erscheinungen mit den gegebenen in Verknüpfung gesetzt werden". Zulässig sind also „transzendentale" alle Erfahrung überschreitende, sondern nur Hypothesen, d. h. solche, welche das Gebiet möglicher Erfahrung nicht schreiten, nicht erfahrbare, unerkennbare Ursachen ersinnen. Reine Ver- nunft bedient sich keiner Hypothese oder höchstens zu „praktischem und zur Abwehr der Gegner (Krit. d. rein. Vern.: Die Disziplin d. rein. Anseh. der vgl. Logik, S. 132 ff.). — Gegner der konstruktiven Hypothesen sind COMTE (Cours de phüos. posit. I, II, 337 ff.), MACH, Anhänger einer möglichst „hypothesenfreien ist (vgl. Erkenntnis- u. Irrtum, 1906, S. 232), OSTWALD, nach welchem „nur die tatsächlich in den darzustellenden Erscheinungen angetroffenen und nachgewiesenen Elemente" in die Darstellung aufgenommen werden sollen, wodurch alle „anschaulichen Hypothesen oder physikalischen Bilder" ausgeschlossen sind (Vorles. über* 1902, S. 213 f.); doch sind vorläufige Annahmen, der direkten Erfahrung, zulässig (1. c. S. 399 f.). Nach müssen die — viel Konventionelles, Willkürliches enthaltenden — Hypothesen zweckmäßig, fruchtbar sein und durch die Erfahrung verifiziert werden (Science-
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Handwörterbuch der Philosophie
Title
Handwörterbuch der Philosophie
Author
Rudolf Eisler
Publisher
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Location
Berlin
Date
1913
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
Size
12.7 x 21.4 cm
Pages
807
Keywords
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Category
Geisteswissenschaften
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