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Hypothetische Urteile — Ich. 283
Hypothetische Urteile (Bedingungsurteüe, hypothetica,
sind Urteile, deren Gegenstand die Abhängigkeit der Geltung
Satzes (Nachsatz, Thesis, consequens, von der eines andern
(Vordersatz, antecedens, Hypothesis, bildet: Wenn A ist (nicht ist),
so ist (ist nicht) C. Außer der kausalen, kann auch eine zeitliche oder räum-
liche Abhängigkeit ausgesagt werden (Wo A ist, ist C; Wann A ist, ist C;
„Abhängigkeitsurteile" im Sinne). Das hypothetische U. behauptet die
Notwendigkeit der Abfolge, der Geltung einer „Folge" bei Geltung eines
„Grundes", aus dem sie sich ergibt. Vgl. über THEOPHRAST, und
die Stoiker, welche zuerst das hyp. U. erörtern, PRANTL, Geschichte d.
Logik I; ferner CHR. WOLFF, Philos. rational., § 216 ff.; KANT, Logik, § 25;
die logischen Schriften von HERBART, TRENDELENBURG, UEBERWEG, HÖFLER,
A. v. LECLAIR, SCHUPPE, SIGWART (vgl. Beiträge zur Lehre vom
hypothet. Urteil, 1879), B. ERDMANN (Logik, 1892, I, 2. A. 1907), JERU-
SALEM u. a. (s. unter „Logik").
Hypotypose Entwurf): Darstellung (vgl. SEXTUS EMPIRI-
KANT versteht unter H. die „Versinn-
lichung" eines Begriffs durch Unterlegung einer Anschauung (Krit. d. Urteils-
kraft I, § 59).
Hysteron-Proteron (voxegov das Spätere zum Früheren) ist
der logische Fehler des Beweises eines Satzes durch etwas, was erst durch
diesen Satz selbst zu beweisen ist; die Heranziehung eines Schwierigeren und
als Beweisgrund für das Leichtere und Einfachere.
J.
I : Zeichen für das besonders (partikular) bejahende („asserit sed
particulariter"): Einige S sind P.
Ich ist der Ausdruck, mit dem das erkennende und handelnde
(s. d.) sich selbst, im Unterschiede vom Nicht-Ich und anderen Subjekten, be-
zeichnet. Der Charakter des Ich-Seins, die „Ichheit", ist unableitbar, ist etwas
Ursprüngliches, zur Form des Bewußtseins Gehörendes. Das Ich ist zunächst
der eigene (beseelte) Leib des Erkennenden, den er auf Grund seiner besondern
Konstanz, der Tastempfindung beim Berühren, seiner besondern Be-
wegungsfälligkeit, der Schmerzempfindung usw., von den Dingen der Umwelt
(Außenwelt) unterscheidet, dann aber dasjenige, was von diesem Ich-Objekt als
eigentliches Subjekt unterschieden wird, nämlich die im Wechsel der Er-
lebnisse beharrende, bei aller Veränderung Inhalts formal
identisch bleibende, reaktive und aktive, erlebende, denkend-
wollende Einheit des Das Ich ist; „empirisches" (oder
„historisches") Ich, sofern auf den stetigen Bewußtseinszusammenhang, in dem
es sich stets findet, also auf die besonderen Modifikationen, welche seinen In-
halt bilden, wird. Das „reine" Ich hingegen ist die Ich-Form als
solche, wie sie dem Bewußtsein allgemein eigen ist in der Abstraktion
für sich gedacht werden kann, als Voraussetzung alles Erkennens und Handelns;
es ist also nicht als objektiver Vorstellungsinhalt gegeben, ebensowenig als ein
selbständig existierendes, substantielles Wesen, aber auch nicht etwa als ein
Komplex von Vorstellungen, welcher als solcher schon das Bewußtsein mit dessen
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften