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sowohl, als die Stelle der Teile untereinander a priori bestimmt wird"
d. rein. Vern., Methodenlehre III: Die Architektonik der reinen —
Die Ideen sind „Vernunftbegriffe, denen kein Gegenstand in der Erfahrung
gegeben werden kann" (Anthropol. I, § 41; Prolegomena, § 40). So wie der
Verstand die Quelle der Kategorien (s. d.) ist, zeitigt die Vernunft (s. d.)
durch ihre über die Erfahrung hinausgehenden Schlüsse apriorische,
Vernunftbegriffe", „transzendentale Ideen", deren es so viele gibt als Arten
des Verhältnisses, die der Verstand sich vermittelst der Kategorien denkt.
Diese Ideen betrachten alle Erfahrungserkenntnis als „bestimmt durch eine
absolute Totalität der Bedingungen"; sie dienen zum „Aufsteigen in der
der Bedingungen bis zum Unbedingten". Sie sind „nicht willkürlich erdichtet,
sondern durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben, und beziehen sich
daher notwendigerweise auf den ganzen Verstandesgebrauch". Sie sind ferner
„transzendent und übersteigen die Grenzen aller Erfahrung, in welcher also
niemals ein Gegenstand vorkommen kann, der der transzendentalen
adäquat wäre". Solche Ideen sind die der Seele, der der Unendlichkeit
im Großen wie im Kleinen, Gottes, der Freiheit, der Unsterblichkeit (Psycho-
logische, kosmologische Ideen, theologische Idee; vgl. Dialektik, Antinomien,
Paralogismen). Diese Ideen sind niemals von „konstitutivem
werden durch sie keine Gegenstände gegeben; sondern sie haben nur „regu-
lativen Gebrauch", dienen dazu, „den Verstand zu einem gewissen Ziele zu
richten, in Aussicht auf welches die Richtungslinien aller seiner Regeln in
einen Punkt zusammenlaufen". Sie gehen auf höchst erreichbare Einheit und
systematische Vollständigkeit der Verstandeserkenntnis, die aber niemals abge-
schlossen sein kann, da ein „absolutes Ganzes der Erfahrung" unmöglich ist.
Die Ideen sind eben nicht Begriffe erkennbarer Objekte, sondern in theore-
Beziehung nur „heuristische Fiktionen", Leitbegriffe für die Richtung
der Verstandestätigkeit und zum Teil noch von „praktischer (vgl.
Primat; Prolegomena, § ff.; Krit. d. rein. Vern., S. 279 ff., 642); über
ästhetische Idee vgl. Krit. d. Urteilskraft, § 56; vgl. E. LEHMANN,
und Hypothese bei Kant, 1909; VAIHINGER, Die Philos. des Als ob,
S. ff.: die Ideen als nützliche, wertvolle vgl. schon S.
MON, Krit. über den menschL Geist, 1797; Versuch einer neuen
Logik, 1794; 2. A. 1912 (Ideen als „bloße die bloß
zum Behuf der Einbildungskraft als gegebene Objekte fingiert wer-
den"); F. A. LANGE, Geschichte des 1902 (Ideen als Ausdruck
von „Einheitsbestrebungen"). — Nach JACOBI offenbart sich dem Geiste in
den Ideen das Übersinnliche unmittelbar (WW. 1812/25).
Nach COHEN ist die Idee die „Hypothesis", die Grundlegung der
Erkenntnis und des Seins, das „Selbstbewußtsein des Begriffs", die reine
Setzung des Denkens als apriorische Voraussetzung, als „Methode" (Logik,
1902, S. ff.; vgl. Kants Begründ. der Ethik, 1910, S. 86 ff.). Ähnlich NATORP
(I. = „gedachte letzte Einheit", „Blickpunkt der Erkenntnis"), CASSIRER,.
KINKEL (Idealismus u. Realismus, 1911) u. a. Vgl. A. STADLER, Kants
1910.
WUNDT versteht unter den Vernunftbegriffen, welche „alle Erfahrung um-
spannen und doch keiner Erfahrung angehören", „ergänzende Gesichtspunkte
zur Erfahrung". Die ontologischen, kosmologischen und psychologischen Ideen
schließen alle einen Rückgang zur Totalität und zur unteilbaren
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften