Page - 351 - in Handwörterbuch der Philosophie
Image of the Page - 351 -
Text of the Page - 351 -
Kosmologische Antinomien —
MEN, K. u. Psychologie», 1911; POINCARE, sur les
goniques, 1911. VgL
Antinomien s. Antinomien, Unendlich, Teil-
barkeit.
Kosmologische Ideen s. Idee (KANT). WUNDT zählt zu den k.
die Ideen unendlichen Raumes, der unendlichen Zeit, der unbegrenzten
Materie, der unbegrenzten Kausalität (Syst. d. Phüos. I8, 1907, S. 339 ff.
Kleine Schriften I, 1910). Vgl. Transzendent, Unendlich.
Beweis für das Dasein Gottes ist der Schluß von
der „Kontingenz" (s. d.), Bedingtheit der Existenz der und des
schehens auf ein unbedingtes, absolut notwendiges Wesen als „erste
welche die Reihe der sonst ins Unendliche zurückgehenden Ursachen ab-
schließt, auf einen Weltschöpfer. Dieses Argument findet sich bei ARISTOTELES,
nach welchem die Bewegungen, Veränderungen in der auf einen unbe-
wegten ersten Beweger der ngcoxov hinweisen (Metaphys.
XII, 6; 8, 1073 a 23 ff.; XII 7, 1072 b 3), CICERO (Tusculan. disputat.
28, 69), AUGUSTINUS (Confession. X, 6), MAIMONIDES,
(Contra gent. I, 13; Sum. theol. I, qu. 2, 3), LOCKE, LEIBNIZ (Theodizee
CHR. WOLFF, H. S. REIMARUS, SCHLEIERMACHER, LOTZE, (GrundL
d. Religionsphilos., 1840, 8. 120 ff.), DORNER (Grundr. d. Religionsphilos., 1903,
S. 206 ff.) u. a.
KANT bekämpft den B. in der Form: Wenn etwas existiert, so muß
auch ein schlechterdings notwendiges Wesen die Reihe der Ursachen
und Wirkungen führt auf eine schlechthin notwendige Ursache; das absolut
notwendige ist das allerrealste Wesen. Dieser Beweis stützt sich auf
den ontologischen (s. d.), welcher nach KANT ungültig ist, und er selbst ent-
hält „ein ganzes Nest von dialektischen Anmaßungen". Der Schluß vom Zu-
fälligen auf eine Ursache hat nur in der Sinnenwelt Bedeutung; der Schluß
von der Unmöglichkeit einer unendlichen Reihe von Ursachen in der Sinnen-
welt auf eine erste Ursache ist unberechtigt, usw. Es ist erlaubt, das Dasein
eines Wesens als Ursache zu allen Wirkungen anzunehmen, „um der Ver-
nunft die Einheit der Erklärungsgründe, welche sie sucht, zu erleichtern", aber
man kann nicht behaupten oder beweisen, daß ein solches Wesen
(Krit. d. rein. Vernunft, S. 476 ff.).
Kosmopolitismns Weltbürger): Weltbürgertum, Auf-
fassung der ganzen Erde als Vaterland, Heimat und aller Menschen als Mit-
bürger, Brüder, als Glieder einer allumfassenden rein menschlichen Gemeinschaft,
welche keineswegs die engere der Nation, des Staates
braucht, sondern vielmehr einschließt, einschließen soll. — Den K.
schon (vgl. NATORP, Die Ethica des 1893, S. 168), die
(z. Teil mit Geringschätzung des Patriotismus; vgl. Diogen.
VI, 11 f., 63), die Stoiker, nach welchen alle Menschen Bürger der
sind xaxglg 6 u. a. — KANT
schätzt den K. als „regulatives Prinzip", als Idee einer universalen Menschen-
gemeinschaft (vgl. Anthropol. II E). Vgl. Soziologie, Sittlichkeit.
s. Organismus, Urzeugung.
back to the
book Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften