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Mittel.
unlustvolles Erregtsein bei der Wahrnehmung oder Vorstellung
Leidens, infolge „Einfühlung" in das fremde Ich, in dessen Lage wir uns in
der Phantasie versetzen, sofern es uns nicht zu unähnlich ist. Doch ist im
manchmal auch ein Lustfaktor enthalten, der zum Teil in dem Kontraste des
Nicht-Leidens des eigenen Ich zum leidenden fremden Ich wurzelt. Das
M. schließt den Willen ein, dem Leidenden zu helfen, im Unterschiede
„schwächlichen", rein passiven Mitleid, welches aber doch auch,
geschichtlich betrachtet, keineswegs ganz wertlos ist. Schädlich ist nur
„falsche", unangebrachte Mitleid.
Gegner des weichlichen Mitleids sind die SPINOZA, nach
das M. schwächt und unnötig ist, weil der Mensch
ohne solche Affekte hilfreich sich betätigt (Eth. III, prop. XXII ff*),
(Tugendlehre, § 34, aber Betonung des „tätigen Wohlwollens"), FICHTE,
NIETZSCHE, nach welchem das M. mit den Schwachen, Mißratenen
wirkt (Ersatz dafür: die „schenkende Liebe"). Alles, was aus
stammt, ist schlecht. „Die Schwachen und Mißratenen sollen zugrunde
erster Satz Menschenliebe, und man soll ihnen noch dazu
Gegen alles Schwache muß man hart sein, auch sich selbst gegenüber (s.
mensch).
Hingegen ist nach SCHOPENHAUER das M. geradezu das einzige
Motiv, die „echte, d. h. uneigennützige Tugend", das Einzige, was
Handlung sittlichen Wert gibt. Das M. hat eine metaphysische Grund-
lage; wir alle sind im Grunde eins und so sind wir es selbst, die im
andern leiden (Über das Fundament der Moral, § 16 ff.). — Nach
W. STERN ist das M. das „allmählich im Laufe sehr vieler Jahrtausende
standene verletzte Gefühl der Zusammengehörigkeit mit allen anderen
beseelten Wesen gegenüber den schädlichen Eingriffen der sowohl
als auch beseelten objektiven Außenwelt ins psychische Leben" (Das Wesen
des Mitleids, 1903, S. 49). — Vgl. ARISTOTELES, Rhetorik II 8, 1385 b 13
(vgl. Tragisch); LESSING, Hamburg. Dramaturgie f.; A. SMITH, Theory
Moral Sentiments, 7. ed. 1792; Das M. als die moralische Triebfeder,,
1885; W. GIESSLER, Das M. in der Ethik, 1903; JAHN, Psychologie5,
1907, S. ff.; JODL, Lehrbuch der Psychologie II3, 1909, S. 406 f.; GOLD-
SCHEID, Entwicklungswerttheorie, 1908, S. 198 f.; GROETHUYSEN, Das
gefühl, 1904; K. v. ORELLI, Die philos. Auffassungen des Mitleids,. 1912. —
VgL Sympathie, Humanität.
Mittel causa ist wodurch
Ziel erreicht, ein Zweck (s. d.) verwirklicht wird, ein Geschehen, das
geeignet ist, Ursache einer angestrebten Wirkung zu Das
Wollen des Mittels ist durch den Zweckwillen bedingt und wird psycho-
logisch durch diesen, bzw. die Vorstellung des Zweckes, ausgelöst oder
reproduziert. ist das Mittel zur Erreichung eines Zweckes
vielfach noch nicht selbst als solches gewollt, sondern unter verschiedenen
möglichen Reaktionen bewährt sich eine als zweckmäßig, als richtiges Mittel
und wird dann bewußt gewollt, bis dann die Reaktion zweckmäßig-impulsiv,
ja oft reflektorisch wird („Zufälligkeit" des Mittels: PAULY, Darwinismus
S. 109 ff.; „Heterogonie der Mittel" als Korrelat zur „Heterogonie
der Zwecke"). Mittel sind nur dann ideal-richtige Mittel, wenn sie ein
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften