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sind Gegenstände für uns nur „bestimmte Regel der
welche wir vollziehen sollen, wenn wir wahr denken wollen" (Präludien8, 1907,
S. 159). Nach RICKERT hat das Urteil einen Gegenstand, nach dem es sich
hat. Der Gegenstand des Erkennens ist kein Sein, sondern ein
„transzendentes Sollen", eine „transzendente Norm oder Regel der
verknüpfung, die Anerkennung fordert" (Der Gegenstand der 1904,
S. 1, 27 ff., 72 ff., 122 ff., 200). Nach MÜNSTERBERG ist die zuerst als
ein „Reich der Ziele" gegeben: „Nicht vorgefundene Tatsachen und daraus ab-
geleitete Kausalgesetze sind die Wirklichkeit, sondern Zielsetzungen und Postu-
late stehen am Anfang." Unser freier Wille entscheidet, daß wir die ursprüng-
lich nur als Willensmotiv erlebte Wirklichkeit in ein Universum verwandeln,
in dem wir selbst nur ein winziger unfreier Teil sind (Grundz. d. Psychol. I,
1900, ff.; vgl. Philosophie der Werte, 1908, S. 5 ff., 86 ff.).
Nach B. PETRONIEVICS U. a. ist das „Zerfallen des Bewußtseins in Subjekt und
Objekt" etwas Ursprüngliches (Metaphysik I, — Hingegen betont z. B.
RIEHL: „Das ursprüngliche, empfindende und fühlende Bewußtsein kennt
ein Selbst noch ein Objekt, es verhält sich in bezug auf diesen Gegensatz noch
indifferent" (Der 1876 f., Die Unterscheidung von Sub-
jekt und Objekt der Vorstellung ist ursprünglich nur die gleichzeitige Trennung
der beiden Seiten der Empfindung. „Wir erfahren durch den Zwang, womit
uns die Mannigfaltigkeit der Empfindungen bestimmt, daß das Bewußtsein
durch eine Wirklichkeit begrenzt wird, die es nicht selber ist" 1, 72). —
Nach W. OSTWALD gehören zur Außenwelt jene Erlebnisse, die von unserem
Willen unmittelbar unabhängig sind (Vorlesungen über Naturphilos.2, 1902,
S. 66 ff.).
Betreffs des Ursprungs des Bewußtsein der Außenwelt (s. d.) vgl. DES-
CARTES (Meditationes II, V; Princ. philos. II, das Objekt wird nur durch das
Denken als konstante, identische Einheit erfaßt), LOCKE (Essay concern. hum.
unterstand. IV, K. Unabhängigkeit der Wahrnehmungen von unserem
Willen), HUME (Treatise IV, sct. 2: Assoziation, Fiktion eines dauernden
Dinges durch die Einbildungskraft zur Ausfüllung der Lücken der Wahr-
nehmung), REID (Essay on the Powers I; Inquiry II: unmittelbare Über-
zeugung von der Existenz der Außenwelt); SCHOPENHAUER (Die als
Wille u. Vorstellung I. Bd., § 4; IL Bd., K. 22; Vierfache Wurzel, § 21),
HELMHOLTZ, E. ZELLER U. a. (unbewußte Beziehung der Eindrücke auf eine
Ursache); MAINE DE (Oeuvres philos. III, 1841; Oeuvres 1859),
DILTHEY (Einleit. in d. Geisteswissenschaften I, 1883; Über den Ursprung unseres
Glaubens an die Realität der Außenwelt, 1890), FRISCHEISEN-KÖHLER (Wissen-
schaft u. Wirklichkeit, 1912), FOUILLEE, HÖFFDING, JERUSALEM (Die
funktion, 1895, S. 83 ff.), SPENCER (Principles of Psychology, ff., § ff.)
u. a. (Hemmung des Willens, erlebter Widerstand); BENEKE, UEBERWEG
(System d. Logik5, 1882, § 39) u. a. (Deutung der äußeren nach Analogie der
inneren Wahrnehmung; s. Introjektion), NIETZSCHE (WW. XV), VAIHINGER
(Die Philosophie des Als ob, 1911; s. Fiktion). — Vgl. REINHOLD, Versuch einer
neuen Theorie, 1879, II; LICHTENBERG, Vermischte Schriften, 1844—53, II;
De 1893, II, 11 ff.; VOLKELT, Zeitschrift f. Philos.,
Bd. 112; SIGWART, Logik 1889—93, E. v. HARTMANN. Das Grund-
problem der Erkenntnistheorie, 1889, S. 33, 119 ff.; HÖFFDING, Psychologie2,
1893, S. 6 f., 282 ff; J. BAUMANN, Philosophie als Orientierung, 1872, S. ff.
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften