Page - 561 - in Handwörterbuch der Philosophie
Image of the Page - 561 -
Text of the Page - 561 -
Religion.
das Kausalitätsbedürfnis (F. SCHULTZE U. a.), Abhängigkeitsgefühl (SCHLEIER-
MACHER u. a.; s. unten), Wünsche (FEUERBACH U. a.), sittliche Gefühle, Be-
dürfnisse und Ideale, Vergeltungsbedürfnis u. a. — Bald wird die objektive
und intellektuelle Seite der R., bald ausschließlich deren subjektive und
«emotionale oder praktische Seite betont, so vom Pragmatismus (JAMES U. a.;
43. unten).
Die Idee der „natürlichen Religion" („naturalis religio" zuerst bei
die allen Völkern gemeinsam ist, ist schon bei den Stoikern angelegt (vgl.
P. BARTH, Die 1908, S. 270) und tritt später verschiedentlich auf. So bei
THOMAS MORUS (Utopia 6 u.9), COORNHERT, heptaplomeres,
hrsg. 1857), HERBERT VON CHERBURY (De veritate, 1624, 265 ff.), nach welchem
die natürliche, auf dem „consensus gentium" beruhende R. in der Vernunft
des Menschen angelegt ist und fünf Grundwahrheiten enthält (Existenz eines
höchsten Wesens, Verehrung desselben, Tugend und Frömmigkeit sind der
wichtigste Bestandteil des Kultus, Reue über Vergehungen, Lohn und Strafe
im Jenseits). Ferner bei CH. BLOUNT, SHAFTESBURY, M. TINDAL, TOLAND,
DIDEROT, VOLTAIRE, ROUSSEAU (Emile IV: Wurzel der R. im Gefühl); LES-
H. S. REIMARUS (Von den vornehmsten Wahrheiten der natürlichen
Religion, 1784) u. a. (vgl. Deismus).
In Gehorsam und Liebe zu Gott besteht die R. nach LOCKE, SPINOZA
Traktat), PASCAL, LEIBNIZ U. a. KANT basiert die R. auf die
Ethik und nennt sie geradezu „eine auf die Erkenntnis Gottes angewandte
Moral". Von der Ethik unterscheidet sie sich nur „formal", als „Gesetzgebung
der Vernunft, um der Moral durch die aus dieser selbst erzeugten Idee von
Gott auf den menschlichen Willen zur Erfüllung aller seiner Pflichten Ein-
fluß zu geben". Darum gibt es nur eine einzige R. mit Glau-
bensarten (Der Streit der Fakultäten, 1798). R. ist (subjektiv) „Erkenntnis
aller unserer Pflichten als göttlicher Gebote". Sie ist „derjenige Glaube, der
das Wesentliche aller Verehrung Gottes in die Moralität des Menschen setzt".
Nur zum Behuf einer Kirche gibt es „Statuten, d. i. für göttlich gehaltene
Verordnungen". Diesen „statutarischen Glauben" für wesentlich zu halten, ist
dessen Befolgung ein Afterdienst ist". Auf den
„guten kommt es vor allem an und auf „Gottseligkeit" (Die
Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, 1793). — Wie FORBERG
Journal VIII, 1798) bestimmt FICHTE die R. als Glauben an eine sitt-
liche die selbst Gott (s. d.) ist. Später ist sie ihm das „Hin-
aller Tätigkeit und alles Lebens mit Bewußtsein in den einen, un-
mittelbar empfundenen Urquell des Lebens, die Gottheit" (WW. V, 184 ff.;
zum Leben). — Als Kern der R. betrachten das Sittlichkeitsideal
den Sieg des Guten COHEN (Ethik2, 1907, S. 417 ff.; R. u. Sittlichkeit,
1907), NATORP (Religion innerhalb der Grenzen der Humanität, 1894), VAI-
HINGER (Philos. des Als ob, 1911), HÖFFDING („Glaube an die Erhaltung der
Werte", Religionsphilos., 1901, S. 13 ff.), WUNDT (R. als „konkrete sinnliche
Verkörperung der sittlichen Ideale", Ethik2, S. 492; 4. A. 1912; System der
Philos. II8, 1907), PAULSEN, HOEKSTRA, RITSCHL U. a.
Das Bezogensein auf das Unendliche, Absolute betonen SCHELLING (WW.
I 5, 108; I 6, 11 ff.), JACOBI, FRIES, nach welchem die „Ahnung" (s. d.)
•das Göttliche ästhetisch-symbolisch erfaßt (Religionsphilos., 1832; vgl. APELT,
Religionsphilos., 1860, DE WETTE, Über Religion u. 1821). — Nach
Handwörterbuch. 36
back to the
book Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften