Page - 21 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit, dicht gefolgt von Krakau, Lemberg,
Sarajewo, Triest und Czernowitz. Eszter Gantner undHeidi Hein-Kircher be-
wegen sichmit ihremBeitrag entlang dieses Forschungsdiskurses, indem sie
Lemberg undBudapest einemVergleich unterziehen, umCharakteristika von
Nationalisierung, Stadtentwicklung undWissenstransfer zwischenHabsburgs
Emerging Cities herauszuarbeiten. Sie verstehen unter letzterem einKonzept,
mit dem sie die seit derMitte des 19. Jahrhunderts anwirtschaftlicher, politi-
scher, kultureller Bedeutung gewinnenden (Haupt-)Städte der Kronländer
analysieren. Sie wurden in derModerne zuOrten der Industrialisierung, der
nationalen Diskurse, der wirtschaftlichen Dynamiken und erhielten mit den
provisorischen Stadtstatuten seit 1850 beziehungsweise demReichsgemeinde-
gesetz von 1862 auch einen rechtlichen Rahmen, der ihnen zu einer privile-
gierten Stellung innerhalb der regionalen Verwaltungseinheiten verhalf. Die
Städte und ihre Eliten sollten zu Partnern des übernationalenCharakters der
Monarchiewerden, was die direkte Ernennung des Bürgermeisters durch den
Kaiser symbolischbetonte.Aber insbesonderedieboomendenOrtederneuen
Wissensproduktion und -vermittlung – allen voran Universitäten, Museen,
Opern,Theater, SchulenundzivilgesellschaftlicheVereine–waren letztlichdie
Projektionsflächen der jeweiligen nationalhegemonialen Machtverhältnisse,
konterkariertoftnurdurchInterventionausWien,umdie imperialePolitikder
DifferenzauchweiterhinamLebenzuhalten.
CathrineHorel arbeitet diese vielfältigenBeziehungenanhandeinesbreiten
Sets an Städten der Habsburgermonarchie heraus: Sie untersucht Lemberg,
Preßburg,Triest, Temesv#r,Brünn,Laibach,CzernowitzundSarajewoauf ihre
widerständig nationalen und konstruiert imperialen Evidenzen hin. Auch sie
betont, dassdiedemonstrativeBenennungder imperialenZugehörigkeit nicht
zwangsweise alsWiderspruchzunationalenAffirmationenverstandenwerden
musste.AuchwennderGradanIntoleranzgegenüberallemimjeweils ,eigenen‘
Nationaldiskursdefinierten ,Fremden‘ imVerlaufder spätenHabsburgermon-
archiewuchs, sowaren es gerade Städte, in denenLoyalitätsbekundungen ge-
genüber derMonarchie in ein und derselben gesellschaftlichen Gruppe oder
sogar vomgleichenIndividuumzumAusdruckgebrachtwerdenkonnten.Dies
verwundert auchnichtweiter,warendochgeradeStädtedieOrte, indenendie
Träger des imperialen Gedankens ihrenWohn- undWirkungsort hatten: Be-
amte,Militärs, Adelige, Großindustrielle. Sie standen laufend vorderHeraus-
forderung der ,Loyalität gegenüber demDienstherren‘ einerseits und der Ak-
zeptanz durch die lokalen (klein)bürgerlichen, oft nationalisierten gesell-
schaftlichenAufsteigerderModerne.
DeminderdeutschsprachigenHistoriographie immerwieder festzustellen-
den blinden Fleck Königreich Ungarn innerhalb der Habsburgermonarchie
kann auch in diesemBand nur teilweise begegnet werden. Aber es gibt Aus-
Einleitung:Österreich-Ungarns imperialeHerausforderungen 21
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918