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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
dazu, voneinemImperiuminderMitteEuropaszusprechen,obwohlein„Na-
tionalstaatderTitularnationgefehlthabe,wasdenraschenZerfall“ imJahr1918
erkläre.4
MachteuntersolchenGesichtspunkten–undmitBlickaufdieZukunft–die
„Übertragung des Nationalstaates auf eine übernationale Ebene“ manchem
Kommentator Angst, so betonten andere Experten, wie Dieter Langewiesche
oder PieterM. Judson, die nationale Pluralität, dieVielzahl der Einheitenmit
mehr oderminder begrenzter Autonomie. Dabei, so ihreAnsicht, stellten die
betreffenden Herrschaftsverbände politische Gebilde dar, die größer als ein
NationalstaatseienunddurchausdermultiethnischenDonaumonarchieähneln
konnten.5
Abweichend davon meint Andrea Komlosy, angelehnt an Hans-Heinrich
Nolte,dieHabsburgerhätten,ähnlichdenOsmanenunddemBritishEmpire,ein
„ImperiumzweiterOrdnung“regiert,andersalsjene„ersterOrdnung“.Letztere
wären nämlich, wie das Römische oder Chinesische Reich eineWelt für sich
gewesen,während,soKomlosy,unteranderendieTerritoriendes ,Erzhauses‘ in
internationalepolitischeundwirtschaftlicheSysteme integriertwarenundmit
vergleichbarenKonkurrenten interagierten.6
EinVerlaufsmodellmit differenziertenErgebnissenpräsentierte demgegen-
überPeterHaslinger, als er anhanddesZeitraumsvon1740bis 1918die Spra-
chenpolitik der Monarchie als Schlüssel zu Sicherung imperialer Ansprüche
vorstellte. Denn, so seine Ansicht, dieses charakteristische Instrument sei im
Laufedes19. Jahrhundertsverlorengegangen.7
MitunterkamendieUntersuchungenallerdingszugarkeinemeindeutigeren
Ergebnis, wie etwa die Ausführungen vonMünkler zeigen, der im Falle des
Sowjetunion,in:PeterHaslinger(Hg.),Ostmitteleuropatransnational,Leipzig2008,S. 27–56,
hierS. 32–38.
4 Jürgen Osterhammel, Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts.
München 2009, S. 625f.; vgl. Arno Strohmeyer, Die Habsburgermonarchie in der Frühen
Neuzeit – ein Imperium? Ein Problemaufriss, in: Michael Gehler/Robert Rollinger (Hg.),
Imperien und Reiche in derWeltgeschichte. Epochenübergreifende und globalhistorische
Vergleiche, Teil 1: Imperien des Altertums,mittelalterliche und frühneuzeitliche Imperien,
Wiesbaden2014,S. 1027–1049,hierS. 1032.
5 Dieter Langewiesche, Reich, Nation, Föderation. DeutschlandundEuropa.München 2008,
S. 214–218;Judson,PieterM.,L’Autriche-Hongrie8tait-elleunempire?In:Annales63(2008)
S. 563–596.
6 Andrea Komlosy, Habsburgermonarchie, Osmanisches Reich und Britisches Empire – Er-
weiterung, Zusammenhalt und Zerfall imVergleich, in: Zeitschrift fürWeltgeschichte 9/2
(2008), S. 9–62, hier vor allemS.15; vgl.Hans-HeinrichNolte, 1., 2., 3.Reich?ZumBegriff
Imperium, in: ders./Thoralf Klein (Hg.), Imperien. Eine vergleichende Studie, Schwalbach
2008,S. 5–18,hierS. 9–16.
7 PeterHaslinger, Sprachenpolitik, Sprachendynamikund imperialeHerrschaft in derHabs-
burgermonarchie 1740–1914, in: Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 57 (2008)
S. 81–111,hier vorallemS.109f.
HannesLeidinger28
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918