Page - 41 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
sprachensie indiesemZusammenhangvonderNotwendigkeit, die „Scheuvor
demImperialismus“ablegenunddie„Seegeltung“weiter ausgestaltenzumüs-
sen. Eine „historisch-christliche Mission“ gegen den „barbarischen Osten“
wurdeals „Naturnotwendigkeit“Österreich-Ungarnsbezeichnet, ein „Platz an
der Sonne“ eingemahnt, eine „Kolonial- undOrientpolitik“,wenigstens inder
LevanteundinwirtschaftlicherHinsichtbisPersienoder„Innerasien“,vielleicht
sogarglobal.55
Innen-undAußenpolitik bliebendabei –wie auch indenDekadendavor–
engmiteinander verflochten.DennwasausdenGeländegewinnenundvorläu-
figenBesatzungszonenwerden sollte, hatte direkteAuswirkung auf die staats-
rechtlich-praktischen Folgen.Welche neue Gestalt dem habsburgischen Staat
–etwa durch den Ausschluss Galiziens und der Bukowina bei gleichzeitiger
Schaffung „austrophiler“ polnischer undukrainischer Staatswesenoderdurch
eine k.u.k.-Dominanz inRumänien, Serbien,MontenegroundAlbanien– zu
gebensei,bliebindiesen„Think-Tanks“ebensoumstrittenwieetwaauchunter
denDiplomatendesk.u.k.-AußenministeriumsamBallhausplatz.56
SehrzumMissfallenvielerGenossenfanddiesbezüglichKarlRennerdieIdee
attraktiv, der „übernationale Staat“ derMonarchie habe sich „im Feuer“ be-
währt, den ethnischenSeparatismus indie Schrankengewiesenund leistenun
dergrenzüberschreitendenKooperationVorschub.„Mitteleuropa“,einim„Kern
deutscher Staatenverband beziehungsweise Föderationsplan“, als Keimzelle
dieserEntwicklungenerschienRennersKritikernangesichtsdergegenwärtigen
HegemonialpläneHindenburgs undLudendorffsmit gutemGrund als „impe-
rialistischeStrategie“.57
Bezeichnenderweisebeklagtennurwenigeunter jenen,dieZukunftsmodelle
entwarfen, das „deutsch-österreichische Seigneurat“.Die „volleKonföderation
gleichwertiger Völker“ erwies sich als Minderheitenprogramm.58 Zahlreiche
VerfasservonEntwürfenundMitgliedervonelitärenZirkelnverlangtenexplizit
die Förderung des „Deutschtums“ in einem „starkenÖsterreich“ und orien-
tierten sich bei vielen Großmacht- und Kolonialvisionen an Berlin. Regie-
rungskreisederDonaumonarchie zeigte sichallerdings indiesemPunkt reser-
viert.Sie fürchtetenmitgutemGrunddenendgültigenVerlustderSouveränität
55 Petronilla Ehrenpreis, Kriegs- und Friedensziele imDiskurs. Regierung unddeutschspra-
chigeÖffentlichkeitÖsterreich-UngarnswährenddesErstenWeltkriegs (WienerSchriften
zurGeschichtederNeuzeit, 3), Innsbruck2005,S. 127–129, 143f., 150, 153f., 184f.; zuden
expansionistischenbeziehungsweise imperialistischen PlänenderMonarchie auch:Kolm,
DieAmbitionenÖsterreich-Ungarns (wieAnm.37), S. 307.
56 Kolm,DieAmbitionenÖsterreich-Ungarns (wieAnm.37), S. 157und183.
57 Richard Saage, Der erste Präsident. Karl Renner – eine politische Biografie, Wien 2016,
S. 92–95.
58 Ehrenpreis,Kriegs-undFriedensziele imDiskurs (wieAnm.55), S. 165–168.
WardieHabsburgermonarchieein Imperium? 41
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918