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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
auchKategorien,FormenundEntitätengeändert,diediesumrahmten.Undso
haben beispielsweise die technischeModernisierung, diewirtschaftlicheNeu-
strukturierung,diedamitzusammenhängendeRe-Regionalisierungebensowie
die FormierungmodernerNationenundMassengesellschaftenden Status, die
HandlungsweisenundHandlungspotentiale,dasGewichtunddieKohärenzvon
Imperienweitgehendmitgeprägt.Diesbrachtebekanntlich inden Jahrzehnten
um die Jahrhundertwende eine besondere Dynamik in die Entwicklung der
Imperien im Einzelnen wie auch im Allgemeinen, was zu zahlreichen tief-
greifendenUmschichtungen,Gewichtsverschiebungen,Expansionspotentialen,
aber auch politischen Verdrängungseffekten und den damit verbundenen ge-
sellschaftlichenBedrohungsaffekten führte, zueinerÜberhitzungdes imperia-
lenSystemsmitder Juli-Krise, die sich imErstenWeltkrieg–nicht geradlinig,
nicht zwingendundnicht endgültig–entlud.
DieWahl der österreichisch-ungarischenDoppelmonarchie ergab sich aus
mehrerenGründen. Erstens – und trotzdemvielleicht amwenigsten entschei-
dend –war dasDeutscheHistorische InstitutWarschaudabei, seinenwissen-
schaftsorganisatorischen und forschungsperspektivischen Aktionsradius und
FokusnochstärkerinsüdlicherRichtung(esseihierdasgeographischeNeuwort
des ,südlichenMitteleuropa‘erlaubt)auszubauen,nichtganzzuletzt inHinsicht
auf die Tatsache, dass die Länder der ehemaligenHabsburgermonarchie eine
sprichwörtlicheweiße Fläche zwischen denGastländern der europäischen In-
stitutederMaxWeberStiftungdarstellen.Zweitens fügtesichdasThemaindie
ReihevonVeranstaltungen,die inderMaxWeberStiftungdie aktuelleErinne-
rung andenErstenWeltkrieg beziehungsweise die betreffendeEpochebeglei-
ten–dieswar teilweisebeidenfolgendenStiftungskonferenzen2017inMoskau
und insbesondere imFrühjahr2018 inWashingtonderFall.
Drittens dann – und dies erschien schließlich amWichtigsten – hat das
Habsburgerreich in der bisherigen historischen Imperienforschung eine Son-
derpositioninne:EswurdeindenletztenJahrzehntenzumbeliebten,wennauch
nichtallzu frequentiertenForschungsgegenstandeinerseitsbeidenkomparati-
venBetrachtungen,2andererseitsmitHinsichtaufeine longuedur8e-Perspektive
desWerdens und des Untergangs,3 womit allerdings bereits einige narrative
Pfade für die Position der Donaumonarchie in diesen Forschungskontexten
2 AlsBeispiele nur ausdemJahre 2015 siehe StephanWendehorst (Hg.),DieAnatomie früh-
neuzeitlicherImperien.HerrschaftsmanagementjenseitsvonStaatundNation:Institutionen,
Personal undTechniken (Bibliothek altes Reich, 5), Berlin 2015;MartinAust/Frithjof Ben-
jamin Schenk (Hg.), Imperial Subjects. Autobiographische Praxis in denVielvölkerreichen
der Romanovs, Habsburger und Osmanen im 19. und frühen 20. Jahrhundert (Imperial
Subjects, 1),Köln2015.
3 Vgl.z.B.RobertA.Kann,GeschichtedesHabsburgerreiches1526bis1918(Forschungenzur
GeschichtedesDonauraumes,4),[Übersetzungderengl.Originalausgabe1974],Wien 31993.
Milosˇ
Rˇezník46
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918