Page - 89 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
Paper auf die Vorkriegszeit konzentrieren, darf aber die arbeitspragmatische
Begründungdafürbetonen.
Es wäre zweifellos sehr reizvoll, die Entwicklung von expansionistischen
Tendenzen in Langzeitperspektiven zu rücken. Gerade der Gedanke einer Er-
weiterung vonGebiet und/oder Einfluss derHabsburgermonarchie ist bereits
weitvor1867deutlichvorgeformt.DerToposvom,WegnachSaloniki‘verweist
darauf, dassauchdieEntwicklungendererstenbeidenDrittel des19. Jahrhun-
derts nichtübersehenwerden sollten,wennesdarumgeht,Muster der Selbst-
positionierungderElitendesHabsburgerreichesherauszuarbeiten,umsieeiner
vergleichendenBetrachtungmit denTendenzenundTopoi bei anderenGroß-
mächtenzuunterziehen.DermachtpolitischeAbstiegunddiedamitverknüpfte
innereNeuordnung zwischen 1859und1867 (beziehungsweise, inRelation zu
anderen Großmächten, 1871) sorgen sonst für eine Engführung, bei der die
„KulturderNiederlage“(W.Schivelbusch)zumunhinterfragtenAusgangspunkt
derEinschätzungwird.4ErstdieÖffnungfürdieBewertungderösterreichischen
Machtpolitik in der Ära Metternich und im post-revolutionären Kaisertum
Österreich bietet Raum für andere Erfahrungsinhalte, derenNachwirken von
Interesse ist.
WielässtsichdieFragenachdenWahrnehmungenderZeitgenossenkonkret
beantworten?Wer spieltebeiderDiskussionüberdieNotwendigkeit einerEx-
pansionwelcheRolle?InwelchensituativenundmedialenKontextenwurdeüber
Expansiondiskutiert? JedeAuseinandersetzungmitderThematikstehtvorder
Aufgabe der Eingrenzung: Esmüssen entweder konkrete Einzelfälle oder ein
spezifischer Handlungs- oder Deutungszusammenhang ins Zentrum der Un-
tersuchunggerücktwerdenoderesgilt,EinzelsituationenundAkteursgruppen
zudefinieren, dienäherbetrachtetwerden sollen. Fürdie rundzehn Jahre vor
Kriegsausbruch, mit denen ich mich schwerpunktmäßig auseinandergesetzt
habe,würdeichfürdenZweckeinerExplorationdesThemenfeldeseinerelative
kleine(groß)machtpolitischeEliteindenMittelpunktstellen,wohlwissend,dass
übersozialeVernetzungundmedialeRückkopplungeinebreitereÖffentlichkeit
bei der Gestaltung von Diskussionen und Entscheidungsspielräumenwichtig
war– ineinemweithöherenMaßalsnoch imVorfeldderOkkupation.
HofburgundBelvedere, der Ballhausplatz unddie Botschaften, dieMilitär-
führung, der ungarischeMinisterpräsident Istv#n Tisza und sein wichtigster
außenpolitischerRatgeber Istv#nBuri#nwarenauchnoch imVorfeldder Juli-
krise vonherausgehobenerBedeutung.Mit ihnenverbundenePublizisten,Po-
litikerundGelehrtesolltenindieBetrachtungeinbezogenwerden.Siealle–das
giltmeinesErachtens letztlichauchfürTisza–gehörtenzuden„zentripetalen“
4 WolfgangSchivelbusch,DieKulturderNiederlage.DeramerikanischeSüden1865,Frankreich
1871,Deutschland1918,Berlin2001.
Expansion–ZwangsvorstellungoderKalkül? 89
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918