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Vor 1918
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603 dasMilitärgeneralgouvernement allerdings nicht an.Man setzte jedoch russi- scheKriegsgefangeneein,umüberhauptFelderzubestellen.Selbstdasbliebein TropfenaufdenheißenStein,eineeffizienteAusnutzungimangestrebtenSinne warnichtmöglich.Erst imApril1916trafennichtmilitärischeFachleuteein,die die Landwirtschaft organisierten. Die Maßnahmen waren einfach:materielle AnreizeundGewaltandrohung.DieErfolgebeiderErnte1917bliebendennoch denkbar schlecht, woraufhin erneut die Preise erhöht wurden – anstatt auf härtereStrafenzusetzten, obwohl esnachwievoreineAblieferungsquotegab. 350MillionenKronen flossen bis Anfang 1918 nach Serbien zumZwecke des Lebensmittelankaufs.DerErfolgwar zwiespältig, dennesunterblieb zwar eine weitereHungersnot,aberProfiteurewarenvorallemdienunrelativgesehengut gestelltenBauern,wohingegenderExport indieMonarchiegeringblieb. Erwähnenswert ist ferner, dass sich dieArmee stetsüberdieHeimat stellte und ihre eigeneVersorgung als vielwichtiger ansah, selbst gegen andereAuf- fassungen inWien.11Voneiner Integration indenGesamtverbunddes Imperi- ums konnte bei diesemVorgehen nicht die Rede sein; selbst unter Auspizien einerPolitikderDifferenzgaltSerbiennichtalsTeildesReichs.DieOkkupation dientehierganzalleinedemZweck,einenKriegsgegnerauszuschaltenundsich, solange die Besatzung erfolgte, ganz traditionell aus dem Land zu ernähren. DeshalbgabesauchkeineNationalitätenpolitik, sonderndasgenaueGegenteil davon: Einen rückwärtsgewandten bürokratischenAbsolutismus, wie ihn das ImperiumderHabsburger seit dem18. Jahrhundert kannte undwie er in den frühenRegierungsjahrenvonFranz Joseph eine Erneuerung gefundenhatte.12 DieArmeegeriertesichalsoalsAlleinherrscherin in ihremImperium–dasdie Doppelmonarchie indieserFormgarnichtmehrdarstellte. Am Ende lief das alles auf eine doch recht basale Funktionalisierung des eroberten Landes als Lebensmittellieferant hinaus – diemit finanziellen Ver- lusten einherging. Sie steht außerdemder häufig postulierten, aber selten be- legtenBehauptungentgegen,wonachsich imKriegquasi-kolonialePhantasien rassischerÜberlegenheit Bahn brachen. Jonathan Gumz hat überzeugend ar- gumentiert, dass der Referenzrahmen der k.u.k.-Armee nicht Kolonialismus war,unddasssieSerbienzwargrundsätzlichirgendwannins–multinationale– Imperiumeingliedern, es abernichtumformenund ineinenkolonialenVasal- lenstaat verwandeln wollte. Die Besatzung sollte, wie der Krieg, auf eine be- 11 Gumz, The Resurrection and Collapse of Empire in Habsburg Serbia (wie Anm.10), S. 160–170. 12 Vgl. zuletzt etwa denÜberblick beiHans-HinrichBrandt (Hg.), DerösterreichischeNeo- absolutismusalsVerfassungs-undVerwaltungsproblem.Diskussionenübereinenstrittigen Epochenbegriff (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere GeschichteÖsterreichs, 108),Wien2014; sieheaußerdemLotharHöbelt,FranzJosephI.DerKaiserundseinReich. EinepolitischeGeschichte,Wien2009. EinEndemitExpansion 103
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Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
Title
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Subtitle
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
Authors
Wolfram Dornik
Bernhard Bachinger
Stephan Lehnstaedt
Publisher
V&R unipress GmbH
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-1060-3
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
362
Keywords
KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
Categories
Geschichte Vor 1918
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