Page - 135 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
negros“ gefordert. Das Königreich sollte einzig denHafen von Bar verlieren,
„damit italien. Intriguen ein Riegel vorgeschobenwerde“63. Am 1.März 1916
ging alle Militär- und Zivilgewalt in Montenegro durch die Allgemeinen
Grundzüge für die k.u. k.Militärverwaltung in Montenegro auf den k.uk.-
Militärgeneralgouverneurüber–eineEinigungwurdebisKriegsendenicht er-
reicht.Beispielsweisewurden imGemeinsamenMinisterratam12. Januar1917
dieKriegszieleÖsterreich-Ungarnsdebattiert.Das ,Maximalprogramm‘Kaiser
Karls I./IV. (1887–1922) sah unter anderem die vollständige Annexion des
k.u.k.-Militärgeneralgouvernements inMontenegro vor. Aber selbst im „Mi-
nimalprogramm“forderteKarl I./IV., –nebenderBewahrungder territorialen
IntegritätÖsterreich-UngarnsundderEntmachtungder serbischenKönigsfa-
milieKarad¯ord¯evic´ – dieAnnexiondes Lovc´en.64 ImZusammenhangmit den
österreichisch-ungarischenPlänen,denLovc´endauerhaft inBesitzzunehmen,
standauchdieUmbettungder sterblichenÜberresteFürstbischofPeters II. im
Jahre1916.65
Schon ein paar Tage vor der formellen Schaffung des k.u.k.-Militärgene-
ralgouvernements inMontenegro hatte die österreichisch-ungarischeMarine
damit begonnen, ihreKreuzerflotte in die Bucht vonKotor zu verlegen.66Von
dort auswaren die Otrantosperre, das italienische Brindisi und auch das seit
Oktober1914 italienisch besetzteVlora fürösterreichisch-ungarischeKreuzer
undZerstörer nur gut sechs Stunden entfernt.67EinigeTage später beganndie
deutscheMarine,denKriegshafen inderBuchtvonKotorzuihremwichtigsten
U-Boot-Stützpunkt imMittelmeer auszubauen.Aufgrundseinergeografischen
Lage – nur gut 200Kilometer nördlich der Otrantosperre –war der österrei-
chisch-ungarische Kriegshafen der für Feindfahrten imMittelmeer am güns-
tigsten gelegene Stützpunkt der Mittelmächte: Triest lag gut 600Kilometer
weiter nördlich,Pula 500Kilometer unddas Sˇibenik immerhinnoch300Kilo-
meter.VonPulawarenU-Boote einenganzenTagÜberwasserfahrtweiter von
derStraßevonOtrantoentferntalsvonKotor–undentsprechendverwundbar
für italienische Marineflieger und MAS-Boote.68 Im größeren Maßstab be-
trachtetnimmtdieBuchtvonKotoreinezentraleLageinnerhalbdesMittelmeers
ein:2.700KilometervonderStraßevonGibraltar,2.100KilometervonMarseille,
63 Politisches Archiv des Auswärtigen Amts (PAAA), Telegramm vom 23.01.1916 an das
AuswärtigeAmt.
64 Mikljs Komj#thy (Hg.), Protokolle des Gemeinsamen Ministerrates derÖsterreichisch-
UngarischenMonarchie: (1914–1918) (PublicationesArchiviNationalisHungarici, 2, 10),
Budapest1966,S. 446.
65 SiehedazuWord¯ije-WokoD.Pejovic´, Zasˇto suNjegosˇeviposmrtniostacipreneseni saLov-
c´enanaCetinje1916.godine, in: IstorijskiZapisi 20 (1963), S. 498–501.
66 Sondhaus,TheNavalPolicyofAustria-Hungary (wieAnm.45), S. 286.
67 Halpern,TheNavalWar intheMediterranean(wieAnm.55), S. 264–265.
68 Die italienischeAbkürzungbezeichnetmitTorpedosbewaffneteMotorboote.
DerDrangnachSüden 135
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918