Page - 166 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
Image of the Page - 166 -
Text of the Page - 166 -
© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
alsHinterlandderFrontbehandelt, indemfürSicherheit zusorgenwar, fürdie
VerbindungmitderFeldarmeeundmitderMonarchie.EshattedieKostender
Besatzungsverwaltung und der hier stationierten k.u.k.-Reserve-Einheiten,
LinienbatailloneundanderenbewaffnetenStrukturenderMonarchiezudecken,
vorallemaberfürdenHabsburgerstaatLebensmittelundRohstoffezuliefern.In
derWirtschaftspolitikbeschränktemansichnichtauf,Raubwirtschaft‘,sondern
war auchbestrebt, nebendemAusbaudesVerkehrsnetzes dieAnbaufläche zu
vergrößern, die Ernteerträge zu verbessern, die verlassenenGüter zu bewirt-
schaften unddie Förderung vonRohstoffen inGang zu bringen, wozu eigens
Fachleute (etwaOberst JohannvonBalzar imRevier vonDa˛browa) undMili-
täreinheiten(unteranderemalsErntekompanien)eingesetztwurden.35Dochin
derAuffassungderPolen ausderBesatzungsverwaltunghielt dieBevölkerung
desKönigreichs „…die derzeitigeHerrschaft imVergleich zur russischen für
schwachundbeginntsiegeringzuschätzen“.36Davonzeugteauchdieverbreitete
BezeichnungderÖsterreicherals „Penner“.
ZubedeutendenVeränderungenimVergleichzurrussischenRegierungkam
es imBereichder Politik.Die insgesamt legaleArbeit der Parteienundpoliti-
schenGruppierungen,Vereine, schulischen,paramilitärischen,Selbsthilfe-und
Jugendorganisationen (Pfadfinder) ging einher mit einer geheimdienstlichen
Durchdringung.Diesbetraf auch illegaleFormenpolitischerundmilitärischer
Betätigung. Neuheitenwaren neben dem erwähnten Einverständnis zur Feier
nationaler JahrestageundzupolitischenKundgebungen insbesondereGesprä-
che der Besatzungsbehördenmit deren Organisatoren, um sie in Konfliktsi-
tuationen ohne Gewaltanwendung auflösen zu können.37 Zu breitangelegten
RepressionengriffmanerstnachdenMassenprotestengegendieBeschlüssedes
Friedensvertrags vonBrest-Litowsk, alsWien darauf verzichtete, Politiker des
KönigreichsPolenfüreinedualistischeMonarchiezugewinnen.Derneue,letzte
GeneralgouverneurAntonLiposˇc´ak stellte dieBeziehungen zudenpolnischen
Behörden und Einrichtungenwieder her, die nach demBrester Vertrag abge-
brochenwordenwaren.DieGesprächebetrafendenTermin, zudemdieBesat-
zung aufgehobenwerden sollte, unddenPreis, dendie polnische Seite für die
ZurücklassungvonBesitzundauchMannschaftenzuzahlenhatte–inFormvon
Lebensmittel-undKohlelieferungen.TrotzdesFehlenseiner letztendlichenEi-
nigungberiefLiposˇc´akam2.November1918eineallgemeineVersammlungder
Offiziere des Generalgouvernements ein, entließ sie aus dem demKaiser ge-
schworenen Eid und übergab die Macht formal an den polnischen Regent-
35 Hausner,DiePolenpolitik (wieAnm.6), S. 364–367.
36 Hupka,ZczasjwWielkiejWojny(wieAnm.13), S. 135.
37 Hausner,DiePolenpolitik (wieAnm.6), S. 178.
JanLewandowski166
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918