Page - 245 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
prangertejedochauchdiestaatliche„Zweiheit“alssolcheanundzogüberdiein
derungarischenReichshälfte(imArtikelals„magyarischenGlobus“persifliert)
herrschende Rechtsprechung her. So sei es den „Preßburger Collegen“ nicht
einmalmöglich, gegendieEntscheidung„zu recurriren“, da es inUngarnkein
VereinsgesetzgebeunddieBeamten„inBezugaufVereinsdinge lediglichnach
avitischenGrundsätzen vorgehen.“54Zugleich drängte dieMusikerzeitung auf
eine ungarischeMusikerorganisation nach österreichischemMuster: Sie for-
dertedieGründungmöglichstvielerMusikervereineinungarischenStädten,die
sich dann zu einem Landesverband zusammenzuschließen hätten. So nach-
vollziehbar dieses Anliegenwar, enthüllte es zugleich denAnspruch des Ver-
bandes,Ungarnmüsseman letztlichvonWienundÖsterreichaus richtigeOr-
ganisationsformenbeibringen. Insofern ist der oben zitierteVorwurf derMu-
sikzeitung Zenelap, Ungarns Musikleben werde von Österreich dominiert,
durchausnichtausderLuftgegriffen,auchwenndieOesterreichisch-Ungarische
Musikerzeitung abschließendbetonte, dass „[u]nserElend […]ankeinemmit
welchen Farben immer angestrichenenGrenzpfahlHalt [macht] – dasmögen
sichunsereCollegenmerken.“55
So herausfordernd der imperiale „Dualismus“ für dieMusikerorganisation
war, so dynamisierend wirkte er auch: Noch im selben Jahr, 1898, erwogen
ungarische Musikpublizisten im Verbundmit Musikern die Gründung eines
eigenenungarischenMusikerverbandes,56die imApril 1902 schließlichvollzo-
genwurde.57
DieOrganisationvonMusikernundMusikerinnenverlief vonnunanparti-
kularer, entlang nationalerGrenzlinien. EineGeste, die diese Entwicklung be-
sondersdeutlichmacht,istdasDurchstreichendes„Ungarischen“imVerbands-
und Zeitungsnamen des inWien angesiedelten Verbands: 1911 wurde – auf
anhaltendenDruckausUngarnhin58–beschlossen, sich fortannurnochOes-
terreichischerMusikerverband und das VerbandsorganOesterreichischeMusi-
ker-Zeitung zu nennen.59Hinsichtlich der Tätigkeit als Berufsorganisation als
54 OeMZVI/8 (16.04.1898), S. 43.
55 OeMZVI/8 (16.04.1898), S. 44.
56 OeMZVI/3 (1.2.1898), S. 13f.
57 OeMZX/18(2.5.1902), S. 74.
58 DerUngarischeMusikerverband fordertewiederholtdieStreichungdes „Ungarischen“aus
demNamendesOeUMV,vgl. etwaOeMZXVII/30 (24.7.1909), S. 219f.
59 Vgl. Franz Frank, Selbst- undMiterlebteswährend 50 Jahren, in:OeMZXXVIII/6 (05.06.
1920), S. 53. Frank nennt als Grund für die Umbenennung den vonUngarn verordneten
AustrittderZweigvereinePreßburgundHermannstadtausdemVerband.Allerdings treten
inseinerDarstellungWidersprücheauf.SomachteranandererStellegeltend,dassmanzwei
„aus deutschenMitgliedern bestehendenVereinen“ (damit dürften die beiden genannten
gemeint gewesen sein) nicht das Recht habe lassenwollen, demMusikerverband anzuge-
hören.DasBildwirdnochkomplexer,wennmansicheineÜbersichtüberalleZweigvereine
anschaut,die1918inderOeMZpubliziertwurdeunddenMitgliederstandvon1914und1918
HerausforderndeMusiker/-innenorganisation 245
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918