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226 8 Konflikte
WienderZwischenkriegszeithervorriefen.DasResultatbestand ineinerOpfer-
rolle, die sichdieHakoah sicherlichnicht zuUnrecht zuschrieb, aber auch in
einerundifferenziertenAbwehrhaltung: „DieMeute ist los!Antisemiten, Israe-
liten, Getaufte und Baldgetaufte haben sich einträglich zusammengefunden,
um furchtbareUebelstände, die die bösen Juden–nenne sieHakoah-Anhän-
ger – amGewissenhaben, zu brandmarkenundumzu ermahnen, zu verlan-
genundzudrohen“, hieß es inderNachbetrachtung eines Spiels derHakoah
gegen die Amateure.194 Die Hakoah wurde immer mehr zu einem „Zentral-
punkt“ ineiner„WeltvonFeinden“stilisiert,wospezielldie Jugendzu„selbst-
bewußte[n]Menschen in der Gemeinschaft der Artgleichen“ ausgebildet wür-
denundso„dasGefühldesStarkseins,desGesundwerdens“erfahrensollte.195
DabeivertratmandenAnspruch, fürdasgesamte„Judentum“zusprechen:So
seiderDavidsternaufdenTrikots jüdischerKlubskeinpolitischesSignal, son-
dern„einKennzeichenderRasse“.196Dassdasnichtanderdiskursiven„Reali-
tät“ vorbeiging, belegt das Faktum, dass auch in der Außenzuschreibung die
HakoahhäufigalsRepräsentantdes„Judentums“insgesamt,nichtnurdesZio-
nismus, interpretiert wurde. So seien Ausschreitungen bei Hakoah-Matches
stets „mit demgeflügeltenSatz ‚dar Jud ist schuld‘“ kommentiertworden.197
Olympia 1936
Matthias Marschik
Als die 1931 erfolgte Vergabe der Olympischen Sommerspiele 1936 an Berlin
nachderMachtergreifungderNationalsozialistenbestätigtwurde,warendamit
auch inÖsterreich sportpolitischeKonflikte vorprogrammiert, die Fragen jüdi-
schen Sporttreibens nicht unberührt ließen.198 Das betraf zum einen das Fak-
tum, dass ab Jahresbeginn 1935 die österreichische Sportverwaltung inGestalt
der Sport- und Turnfront (mindestens ebenso oft als „Turn- und Sportfront“
bezeichnet) die „Judenfrage“ in Deutschland zu einem Kriteriummachte, ob
dieOlympischen Spiele überhaupt beschicktwerden sollten, zumanderen die
EinberufungjüdischerSportlerInnenindenOlympiakader. ImFolgendensollen
194 B. [vermutlichFritzBaar], EineAbrechnung. In:WienerMorgenzeitung (20.6. 1920) 7.
195WienerMorgenzeitung (17.4. 1921) 10.
196WienerMorgenzeitung (21.4. 1922) 9.
197WienerMorgenzeitung (26.4. 1923) 3.
198 MatthiasMarschik, Sport imAustrofaschismus. In:EmmerichTálos,WolfgangNeugebau-
er (Hg.), Austrofaschismus. Politik – Ökonomie – Kultur 1933–1938 (Münster/London/Wien
2005) 372–389.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918