Page - 245 - in Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Image of the Page - 245 -
Text of the Page - 245 -
Jüdische Netzwerke? 245
Republik war. Einer der Autoren in dieser Festschrift war Hakoah-Präsident
IgnazKörner.
Ein Blick in die zionistischen Zeitungen der Zwischenkriegszeit46 macht
deutlich, wie eng die Beziehung zwischen Zionismus und der Hakoah sowie
den kleineren zionistischen Sportklubs und der Makkabi-Bewegungwar und
wie sehr dem jüdischenSporttreiben einWerbeeffekt für die jüdische Idee zu-
geschrieben wurde. Zu jeder National- und Gemeinderatswahl wurden nicht
nurAufrufeandieHakoah-Mitglieder zurStimmabgabe fürdie JüdischePartei
verlautbart, sondern sie wurden auch zur aktivenWerbearbeit aufgefordert.
Nochmehr galt das bei denWahlen zurKultusgemeinde, dennder Zionismus
war unter denWiener Judenund Jüdinnen lange einMinderheitenprogramm.
Inder IKGerlangteerst im Jahr 1932eine zionistischeListedieMehrheit.47Die
Medienberichterstattung macht die engen ideellen wie personellen Verqui-
ckungenzwischenSportundPolitik evident.DasSportengagementbotdirekte
Möglichkeiten, zionistischeNetzwerke auszubildenund zupflegen, die durch
die zahlreichen Vereinsaktivitäten besonders der Hakoah, vom Faschings-
kränzchenüberdieHakoah-RedoutebiszurTheateraufführung,nochmalsver-
stärktwurden.
Eine besondere Rolle spielten die werblichenAktivitäten speziell bei den
AuslandsauftrittenundTourneenderHakoah-Fußballer, etwa indieUSAoder
nach Palästina, aber auch nach Osteuropa. Lokale jüdische Gemeinden und
Unternehmer sollten für entsprechendeEinnahmen sorgen, daswar vor allem
bei den beidenUSA-Reisen ein entscheidender Faktor.48 Bei denReisen nach
Osteuropa, besonders nach Polen, stand ein anderer Aspekt imVordergrund,
nämlichdieWerbung für die zionistischeOrganisationbei lokalenSportverei-
nen: „DieHakoahwird vonder jüdischenBevölkerungPolens ebenalsNatio-
nalmannschaft betrachtet undgefeiert“, formuliertedie zionistischeStimme.49
BeidenReisennachPalästina,besonders imKontextderMakkabiaden,ginges
hingegenumdenAufbau einer jüdischenCommunity auch imSportbereich.50
46 Vgl.Dieter J.Hecht, Jüdischnational-ZionistischeParteizeitungen. In:Chilufim7 (2009)67–
82; DieterHecht, Die Stimme undWahrheit der JüdischenWelt. Die jüdische Presse inWien
derZwischenkriegszeit 1918–1938. In:Stern,Eichinger (Hg.),Wienunddie jüdischeErfahrung,
99–114.
47 ErikaWeinzierl, Das österreichische JudentumvondenAnfängenbis 1938. In: ErikaWein-
zierl, OttoD.Kulka,VertreibungundNeubeginn. IsraelischeBürger österreichischerHerkunft
(Wien/Köln/Weimar 1992) 17–166, 49.
48Werner Skrentny, Hakoahs Exodus. Importe für die US-Profiligen. In: Schulze-Marmeling
(Hg.),Davidstern, 433–458.
49 DieStimme. JüdischeZeitung (13.8. 1931) 7.
50 Vgl. BernhardHachleitner, Bannerträger jüdischer Stärke. DieWiener Hakoah als Vorbild
fürhunderteVereine inallerWelt. In:Betz,Löscher,Schölnberger (Hg.), „...mehralseinSport-
verein“, 131–149.
back to the
book Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938"
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918