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Netzwerke von und für Frauen 257
Netzwerke vonund für Frauen
FürFrauengabes,kurzgesagt, imWienderZwischenkriegszeitkeineChancen,
gleichberechtigt an denMännernetzwerken im Sport teilzuhaben. Auch wenn
derAnteilvonFrauenbeidenaktivenSportlerInnen inden1930er-Jahrenschon
etwa 30Prozent betrug,89 lag er bei den FunktionärInnen unterhalb von fünf
Prozent. Die Unmöglichkeit gleichberechtigter Teilhabe bedeutet aber nicht
das Fehlen jeglicher Möglichkeit des Aufbaus von Kontakten im Sport. Zum
einenexistierten sehrwohl rudimentäreNetzwerkeauch imFrauensport, zum
anderengelangesetlichenFrauen, indirektandenMännernetzwerkenzupar-
tizipieren. AuchwennFrauen imSport und Frauensportwährendder gesam-
ten Zwischenkriegszeit benachteiligt wurden, beinhaltete allein die Existenz
weiblicherSportpraxenzugleichEmpowermentundVorbildwirkung.90 Imsozi-
aldemokratischenArbeiterInnensport konntendieASKÖ-Frauenauch interna-
tional aufVerbandsebene feministische Erfolge erzielen. Ihr Programmwurde
1929 auf demKongress der SozialistischenArbeiter-Sportinternationale (SASI)
inPragzurGrundlagedesFrauensportprogrammsdesGesamtverbandeserho-
ben.91
Zumindest partiell konnten sich Netzwerke von Frauen darüber hinaus
dort bilden,wo siedieEntwicklungdesFrauensports selbstbestimmtmitorga-
nisierten, etwa in den „Damenschwimmklubs“, die inWienwährenddes Ers-
ten Weltkrieges existierten,92 in der Mitarbeit österreichischer Sportlerinnen
und Funktionärinnen in der Fédération Sportive Féminine Internationale, in
der Österreich ab 1926Mitgliedwar,93 oder in den Versuchen, inWien einen
eigenständigen Frauenfußball zu etablieren, der zwischen 1936 und 1938 zu
einerwennauchvonderSport- undTurnfrontwievomFußballverbandheftig
89 Hannes Strohmeyer, Sport und Politik. Das Beispiel der Turnbewegungen in Österreich
1918–1938, in:ErnstBruckmüller,HannesStrohmeyer (Hg.),TurnenundSport inderGeschichte
Österreichs (Wien 1998) 212–244, hier 224.
90 JohannaDorer, MatthiasMarschik, SportlicheAvancen–Frauensport inWien 1934–1938.
In:ÖsterreichischeZeitschrift fürGeschichtswissenschaften 27,H. 3:Perspektivenwechsel:Ge-
schlechterverhältnisse inAustrofaschismus (2016) 94–116.
91 Vgl. u.a. Reinhard Krammer, Arbeitersport in Österreich. Ein Beitrag zur Geschichte der
Arbeiterkultur inÖsterreichbis 1938 (Wien 1981) 183.
92 MatthiasMarschik,Wien spielt (im) Krieg, in: Alfred Pfoser, AndreasWeigl (Hg.), ImEpi-
zentrumdesZusammenbruchs.Wien imErstenWeltkrieg (Wien 2013) 404–409.
93 GertrudPfister,Die„großenFrauen“ inderFSFI.AliceMilliatundEliottLynn:Zweiaußer-
gewöhnliche Sportlerinnen-Biographien. In: MichaelKrüger (Hg.), Olympische Spiele. Bilanz
undPerspektiven im21. Jahrhundert (Münster 2001) 138–146.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918