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272 10 Nach dem „Anschluss“
Naheverhältnis zur IKG) sofort nach dem „Anschluss“ der nationalsozialisti-
sche Sicherheitsdienst (SD) der SS interessiert,25 ein Nachrichtendienst der
NSDAPmit dem Ziel der Beobachtung gegnerischer Parteien und politischer
Organisationen26 sowie jüdischerAngelegenheiten.27
Die EinrichtungdesStillhaltekommissars für Vereine,
OrganisationenundVerbände
DurchAufrufBürckelskamalsoam16.März 1938zunächstdasgesamteöster-
reichischeVereinsleben durch einVerbot jeglicher organisatorischer Tätigkei-
ten und Verfügungen von Vereinen, Stiftungen, Fonds, Organisationen und
Verbänden, auch jener innerhalb der NSDAP, zum Stillstand.28 Diese Still-
legung diente zunächst dazu, den weitgehend unkontrolliert verlaufenden
„wilden“ Beschlagnahmungen und „Arisierungen“ von Klublokalen und Ver-
einsvermögen sowie vermögensrechtlichenVerschiebungen und Bereicherun-
gen durch verschiedeneNS-Organisationen, Gestapo und selbsternannte oder
(retrospektiv) beauftragte „kommissarische Leiter“ (die auch im Bereich des
Vereinswesensauftraten),protektionistischenPostenvergabenunddamiteiner
planlosen „Selbstbedienung“ (Botz) durch NS-Organisationen und Parteige-
nossen indenerstenWochennachdem„Anschluss“Einhalt zugebieten. Jüdi-
sche Sportklubs waren neben einigen anderen politisch unerwünschten Ver-
einsgruppen massiv davon betroffen.29 Die so genannte Stillhalteverfügung
25 Dokumentationsarchiv,Widerstand, 195.
26 ArnulfScriba,DerSicherheitsdienst (SD),onlineunter:https://www.dhm.de/lemo/kapitel/
ns-regime/ns-organisationen/sd/ (April 2017);WolfgangNeugebauer,DasNS-Terrorsystem. In:
SiegwaldGanglmair,Wien 1938 (Ausstellungskatalog zur Sonderausstellung desHistorischen
Museumsder StadtWien, 11.Märzbis 30. Juni 1988,Wien 1988) 223–244, hier 228f.
27Walk, Sonderrecht, II Rz321.
28 Verena Pawlowsky, Edith Leisch-Prost, Christian Klösch, Vereine im Nationalsozialismus.
Vermögensentzug durch den Stillhaltekommissar für Vereine, Organisationen und Verbände
undAspektederRestitution inÖsterreichnach 1945 (VeröffentlichungenderÖsterreichischen
Historikerkommission21/1,Wien/München2004) 50f., zusammenfassend530f.; Jagschitz, Be-
wegung, 92f. Vgl.weiters denAufruf zurVerlängerungder Stillhalteverfügungenam12.April
1938 imNeuenWiener Tagblatt, 1.
29 Vgl.VerenaPawlowsky, EinschlussundAusschluss:ÖsterreichischeVereinenach1938. In:
Adunka,Lamprecht,Traska (Hg.), JüdischesVereinswesen, 267–278,hier 271f.;Duizend-Jensen,
Gemeinden, 157f.; GerhardBotz,Nationalsozialismus inWien.Machtübernahme,Herrschafts-
sicherung, Radikalisierung 1938/39 (überarb. u. erw. NeuauflageWien 2008) 249–252. Neben
den jüdischenwaren insbesonders katholischeVereine,OrganisationenderHeimatschutzver-
bändeundderVaterländischenFront sowie imNS-Staat politischunerwünschte Jugendklubs
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918