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286 10 Nach dem „Anschluss“
JüdischerSport nachdem„Anschluss“außerhalb
einesVereins
Vereinsunabhängige sportliche Betätigung und Sportkonsumwaren in Wien
nachdem„Anschluss“ für JudenundJüdinneninnurnochsehreingeschränk-
temAusmaßund in geschlossenenRäumlichkeitenmöglich. Auf einer indivi-
duellenEbenebewirktendieantijüdischenBestimmungendesNS-Regimesvor
allemLimitierungenderBewegungsfreiheitundderVerfügbarkeitvonGeräten,
die der sportlichen Betätigung dienten. Im August 1938 wurde es Juden und
Jüdinnen–nachdemdieAusbildungs- undBerufsverbote sowieEntlassungen
bereitsweitgehende soziale Isolierungbewirkt hatten–perPolizeiverordnung
verboten, bestimmteWienerParksundFreizeitgebietewiedenWienerwald zu
betreten (UntersagungdesBetretensöffentlicherGrünanlagen)oderdieNatur-
strände derAltenDonau zunutzen.112 Auchder Rudersportwurde Judenund
Jüdinnen gänzlich verboten.113 Ab September des Jahres wurden Unterhal-
tungsstättenwie Kinos undTheater ebensowie Cafés undRestaurants für Ju-
den und Jüdinnen gesperrt.114 Ab Oktober 1938 durften Juden und Jüdinnen
schließlich auchnichtmehr als Zusehende Sportplätze besuchen. Ein solches
Verbot existierte in einigendeutschenStädtenbereits seit 1933.115 Am6.Okto-
ber 1938berichtetedasNeueWiener Tagblattdazu:
HansManzoni vgl.Körner, Lexikon, 152;WienerMorgenzeitung (23.8. 1923) 3, (18. 2. 1924) 3,
(23. 2. 1926)8sowiehttps://www.friedhoefewien.at/grabsuche_de(April 2017),EintragzuHans
Manzoni.
112 Der Bisamberg und die Freudenau wurden für Juden und Jüdinnen als Ausflugsgebiete
ebenfalls verboten. Kleine Volks-Zeitung (10.8. 1938) 8; Handbuch ReichsgauWien 63./64. Jg.
(Wien1941)977,onlineunterhttp://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/pageview/
1491952 (April 2017);Dokumentationsarchiv,Widerstand, 195, 197, 226 (mit einerAufstellungder
bis 1939 ausgeweiteten Anzahl an Parkanlagen);Rosenkranz, Verfolgung, 155;Betz, Platzeröff-
nung, 166.
113 ÖStA,AdR, ZNsZ, StikoWien,Karton 568, 31-N 14: Protokoll vom23.7. 1938.
114 Vgl. die Anordnung des Präsidenten der Reichskultuskammer über die Teilnahme von
Juden und Jüdinnen an öffentlichenVeranstaltungen vom 12. November 1938, die an diesem
Tag reichsweite Gültigkeit erlangte. Dokumentationsarchiv, Widerstand, 198;Walk, Sonder-
recht, III Rz12;Stuhlpfarrer, Judenfeindschaft, 167; sowiediePolizeiverordnungüberdasAuf-
tretender Juden inderÖffentlichkeit vom28. 11. 1938,dRGBl I 1938, 1676bzw.GBLÖ622/1938.
115 Die StadtverwaltungKöln hat die Benutzung städtischer Spiel- und Sportplätze für jüdi-
sche SportlerInnen bereits 1933 verboten. Vgl.Walk, Sonderrecht, I Rz26, vgl. dort auch II
Rz531 zurVorgangsweise 1938. ZuReaktionenderVerfügung inWienvgl.Marschik, Sportdik-
tatur, 282. Zu denweiteren antijüdischenMaßnahmen im Bereich des Sports zwischen 1933
und 1935 sieheWalk, Sonderrecht, I Rz80, 102, 116, 129, 225, 261, 418, 427, 437, 452, 465, 595,
603, zwischen1935und1938sieheebenda, IIRz100, 168, 176, 265, 279, 303, 536, für 1938und
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918