Page - 299 - in Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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Case Study: „Der Jude soll zahlen.“ 299
den „Nazispuk“ überstanden und hoffe in Paris auf die Heimkehr in seine
Vaterstadt.177 Im September 1945 wendete sich der ehemalige Präsident des
Wiener Fußballverbands Josef Gerö,178 selbst NS-Verfolgter, nunmehriger
Staatssekretär für JustizundLeiterdes inWiedergründungbefindlichenÖster-
reichischenFußballbundes, andie französischenBehördenunderhielt dieZu-
sicherung, dass Schwarz „unter den ersten seinwird, die nachÖsterreich zu-
rückkehren“ können.179 Im Oktober richtete der provisorische Vorstand der
Austria einSchreibenanseinen„letztenordnungsgemäßgewähltenPräsiden-
ten“mit derHoffnung, ihnbaldwieder „inunsererMittepersönlichbegrüßen
zu dürfen“.180 Tatsächlich kehrte Schwarz imVorfeld des Länderspiels Öster-
reich–Frankreich, das im Dezember 1945 im wiedereröffneten Praterstadion
stattfand, nachWien zurück.181 Er übernahmwieder das Präsidentenamt der
Wiener Austria und sollte auch in die Vorbereitungen des Retour-Spieles der
beidenNationalteams inParis imMai 1946 eingebunden sein.182
EinenMonat zuvorwar inBadHall (OÖ)der ehemaligeAustriaspielerund
Sportwarenhändler HermannHaldenwang verhaftet worden. Grundwar eine
Anzeige aus demBundesministerium für Justiz, demGerö inzwischen alsMi-
nister vorstand,die sichmitHaldenwangsRollebeider „Gleichschaltung“der
Austria imMärz1938beschäftigte.Nachdem„Anschluss“alsKommissarischer
Verwalter des Klubs eingesetzt, sollte Haldenwang u.a. den jüdischen Präsi-
177 NeuesÖsterreich (3.6. 1945) 4. ZurVerfolgungsgeschichte vonEmanuel Schwarz, derdie
NS-Zeit in ItalienundFrankreich teilweise imUntergrund als „U-Boot“ überstand, vgl. David
Forster, Opfer Österreich, Opfer Austria? Der FK Austria und die NS-Zeit. In: David Forster,
JakobRosenberg, Georg Spitaler (Hg.), Fußball untermHakenkreuz in der „Ostmark“ (Göttin-
gen 2014) 106–121, hier 108. BernhardHachleitner, Emanuel Michael Schwarz. Die Seele der
Austria. In: PeterEppel, BernhardHachleitner,WernerMichael Schwarz, Georg Spitaler (Hg.),
WodieWuchtel fliegt. LegendäreOrte desWiener Fußballs. AusstellungskatalogWienMuse-
um (Wien 2008) 74f.
178 Zu seiner Biografie als Sportfunktionär und NS-Verfolgter vgl. David Forster, Lebenslie-
ben: Fußball undRecht. Fußball untermHakenkreuz 5. Teil: der Präsident. In: ballesterer 13
(2004) 38f.; EvaBlimlinger, ZweiWienerFußballfunktionäre. IgnazAbelesund JosefGerö. In:
WolfgangMaderthaner, Alfred Pfoser, Roman Horak (Hg.), Die Eleganz des runden Leders.
Wiener Fußball 1920–1965 (Göttingen 2008) 156–165.
179 ÖStA,AdRJustizBMJPräs, Justizministerium1945–versch.,Karton2,CherrieranStaats-
sekretärGerö (undatiert, 1945).
180 Fussball-Klub Austria an Dr. Emanuel Schwarz, 10. 10. 1945, zit.n. Forster, Opfer Öster-
reich, 111.
181Weltpresse (5. 12. 1945) 7.
182 ÖStA, AdR Justiz BMJ Präs, Justizministerium 1945– versch., Karton 2, Der Vertreter der
österreichischenBundesregierung inFrankreich [Bischoff] anBundesministerGerö, 8.5. 1946.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918