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310 10 Nach dem „Anschluss“
„Er sagte, er finde ihn jetztnichtu.werde ihnmorgenbringen,worauf ichnunallerdings
denFehlerbeging, ihmnochzusagen,dasswennderPokalheutenicht gebrachtwerde,
werde ich ihm eine SA-Patrouille schicken, um ihm nachzuhelfen, bzw. um suchen zu
helfen. Es hatte nämlichder FussballerMockVerbindung zu einemSA-Sturmdurchden
erdenganzenFussballklubsperren,bzw.,dieWerte sicherstellenhatte lassen;Daraufhin
wurdederPokal amselbenAbendvonFrauDr. Schwarz gebracht.“213
Haldenwang erpresste Schwarz vor Zeugen, wie sich Sekretär Ulbrich erin-
nerte:
„Ichwarweiters anwesend bei 2 Vorfällen, als Haldenwang denDr. Schwarz angerufen
hat. Das ersteMal forderte er binnen 10Minutendie Rückstellungdes Pokals [...]. Dabei
hat er amTelefondenDr. Schwarz inder damals üblichenWeise unter Bezugnahmeauf
seine jüdischeAbstammungangeflegelt.“214
Schwarzberichtete:
„Schon amnächsten Tag begehrte [Haldenwang] den Ersatz von 1800RMaufgrund von
‚Kaszetteln‘ wie er die verschiedenen Bons und Belege bezeichnete, zurück, wobei er
sagte ‚dass ichmitmeinen jüdischenPlattfüssenhätte zuFussdieseWegehatschenkön-
nen‘. Aufmeinen entschiedenenProtest gegen seinebeleidigendenÄußerungen sagte er
mir, dass er mit mir nichts zu reden habe und bezeichnete mich am Telefon als ‚Sau-
juden‘.“215
InderHauptverhandlungergänzteSchwarz: „DieseBeträgebrachtedannmei-
neFrauzudemAngeklagtenundschämteer sichnicht,dieser zusagen: ‚Sind
Sie froh, dass ihrMann krank ist, sonstwäre er schon inDachau‘. Der Ange-
klagtedrohte, so oft er anrief undvonmir etwas verlangte,mit der SA“.216
Um den Goldpokal ranken sich zahlreiche Legenden. Haldenwang ver-
suchte v.a. im zweiten Verfahren 1954 zu beweisen, dass Präsident Schwarz
diesen sich aufVereinskostenwiderrechtlichhabe schenken lassen.Nachdem
er 1938 inHaldenwangsBesitz gelangtwar, ließ er ihn–mit einer neuenPla-
ketteversehen–alsPrämie inzweiFreundschaftsspielengegenden„altreichs-
deutschen“ Verein Schalke 04 ausspielen. Nach Absetzung des Kommissari-
schenVerwaltersverblieber imVereinsbesitz,wurdevondemimOktober 1938
gewähltenneuenVereinsführerBrunoEckerl 1944 inderSteiermarkvergraben
213 Vernehmung22.5. 1946.
214 ZeugenvernehmungUlbrich 1.7. 1946.
215 Zeugenvernehmung4.6. 1946.
216WStLA,Volksgericht, A1-BgVr-Strafakten: Vg 11/55, VerfahrenVG 1 gVr 2613/46,Haupt-
verhandlung5.12. 1946.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918