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320 11 Resümee
lierten Judentums“5 vonWien. Er sei sich, trotz seines säkularen Lebensstils,
seiner jüdischen Herkunft stets bewusst gewesen. Seine Mutter schilderte er
als tiefreligiös, sein Vater habe sich in der Kultusgemeinde engagiert. Rudolf
Kleinbesuchte, so sagte ernunaus, zumindest anhohenFeiertagendieSyna-
goge und beging die jüdischen Festtage.6 Klein beschreibt aber auch, dass er
inWien in einemKlimades stets fühlbarenAntisemitismusgelebt habe.Dazu
gehörte auf der einen Seite, dassMedien ihn nie als Juden bezeichneten, auf
der anderenSeite aberdieEinsicht, dassoffenbar jedermannüber seine„jüdi-
sche Abstammung“ Bescheid wusste und dieses Wissen jederzeit gegen ihn
gewendet werden konnte.7 Für Klein war es – zumindest im Rückblick – ein
ständigerAufenthalt ineinemlabilenKlimazwischenVerschweigen,antisemi-
tischenAussagenund auchÜbergriffen, auchwenn er sie bis zumMärz 1938
offenbarnicht ameigenenLeib erlebt hatte.
(2)DassBernhardAltmannundseineBrüder ihreTätigkeitalsFunktionäre
des Betriebssportvereins SCBernhardAltmannnutzten, umdurch diese Kon-
taktedenwirtschaftlichenErfolgderFirmazusteigern, scheintunwahrschein-
lich. ZuunbedeutendwarderVerein, zugroß imVerhältnisdazudie familien-
eigene Firma, zu bedeutend auch die Aktivitäten etwa imBereich der Kunst.
Hierwar der Sport einHobby, das nebenbei betriebenwurde. ImMittelpunkt
standdie Firma, die nebender Fabrik inWien auch einen Strickwarenbetrieb
in Kossino bei Moskau und eine Strumpffabrik in Paris betrieb.8 Der Umsatz
lag 1937bei 5.437.000Schilling.9
DieVerbindungenzumJudentumsindbei denBrüdernAltmannvielfältig:
SiegehörtendermosaischenGlaubensgemeinschaftan.BernhardundMaxwa-
5 MarshaL.Rozenblit, The JewsofVienna, 1867–1914.AssimilationandIdentity (Albany1984)
7;DavidAberbach, TheEuropean Jews,Patriotismand theLiberal State 1789–1939.AStudyof
Literature andSocial Psychology (London/NewYork 2012) 210.
6 NAA-A367C 18000–830,NAA,ObjectionNo. 8/1943, 22.2. 1943.
7 AlbertLichtblau, AmbivalentModernity. The JewishPopulation inVienna. In:Quest. Issues
inContemporary JewishHistory 2 (2011) 1–11.
8 EinenÜberblick über diewirtschaftlichenVerhältnisse von BernhardAltmann, auch über
seine Kunstsammlung und den Raub durch den Nationalsozialismus liefern z.B. Deutsches
Zentrum für Kulturverluste, Jüdische Sammler und Kunsthändler (Opfer nationalsozialis-
tischer Verfolgung undEnteignung) Altmann, Bernhard, http://www.lostart.de/Content/051_
ProvenienzRaubkunst/DE/Sammler/A/Altmann,%20Bernhard.html?cms_lv2=5654&cms_lv3=
8556 (4. Dezember 2017);MarkusPriller, Arisierungen in der österreichischenTextilindustrie
(Dipl.Arb.Univ.Wien2008) 77–86. ZuAltmannsieheauchGeorgGaugusch,Wereinmalwar.
Das jüdische Großbürgertum Wiens 1800–1938, A–K (Jahrbuch der Heraldisch-Genealogi-
schenGesellschaft „Adler“Wien, 3. Folge 16,Wien 2011) 263.
9 Priller, Arisierungen, 88. Priller zitiert ÖStAAdRE-uReang,VVSt, Ind. 864undBericht der
DeutschenRevisionsundTreuhandAktiengesellschaft über die Fa. BernhardAltmann.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918