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rung, Käfig…), aber auch in Bezug auf die beschriebenen Konflikte mit dem
Security-Dienst angenommen wurden. Die eigene Verstricktheit in den Kon-
flikt machte es den JugendarbeiterInnen aber manchmal schwierig, die wich-
tige und notwendige Parteilichkeit für die Jugendlichen im Sinne einer kriti-
schen Parteilichkeit zu realisieren. In manchen beobachteten Interaktionen
hatte es den Anschein, dass relativ kritiklos Partei für die Jugendlichen ergrif-
fen wurde, Letztere wurden dem Beobachter als machtlos und ängstlich ge-
genüber der Gemeinde präsentiert (s.o.). Die manchmal wenig distanziert-
reflektiert anmutende Identifikation mit der Perspektive der Jugendlichen, die
aus der eigenen Konfliktrolle heraus nachvollziehbar ist, stellte eine zusätzli-
che Erschwernis dafür dar, eine vermittelnde Rolle einnehmen zu können.
Die dezidierte Zurückweisung von Kontroll- und Erziehungsaufgaben gegen-
über den Jugendlichen, die von Seiten manch anderer Konfliktparteien an die
JugendarbeiterInnen herangetragen worden waren, ließ die ohnehin tendenzi-
ell prekäre Akzeptanz des Angebotes mobiler Jugendarbeit im sozialräumli-
chen Umfeld weiter erodieren. Die beiden Konfliktdynamiken verschränkten
sich somit ineinander und verstärkten sich wechselseitig, sodass kurzzeitig
eine Nichtverlängerung des Auftrags drohte.
Die Fallstudie lässt erkennen, wie fundamental wichtig eine hinreichende
Akzeptanz der Angebote durch die kommunale Ebene allgemein ist, und
zwar vor allem, aber nicht nur durch die direkten Fördergeber. Um diese
Akzeptanz muss sich die mobile Jugendarbeit selbst auch entsprechend
kümmern, ohne dabei die Vertrauensbasis zu den Jugendlichen zu gefährden.
Dies erweist sich gerade in komplexen Konfliktkonstellationen mit mehreren
Konfliktparteien, die jeweils unterschiedliche Erwartungen und Interessen an
die Jugendarbeit herantragen, als sehr herausfordernde Aufgabe. Um gute
Voraussetzungen zu haben, diese Aufgabe zu bewältigen, ist nicht nur ausrei-
chend diplomatisches Geschick der JugendarbeiterInnen z.B. im Gespräch
mit aufgebrachten KirchenbesucherInnen oder auch anderen erwachsenen
Stakeholdern im Sozialraum hilfreich, es braucht insbesondere auch auf Ebe-
ne der Einrichtungsleitung eine stabile, von wechselseitiger Wertschätzung
getragene Gesprächsbasis zu den maßgeblichen GemeindevertreterInnen. Aus
den Interviews mit den GemeindevertreterInnen lässt sich erkennen, dass
nach der Konflikteskalation im Herbst 2014 solch eine Basis zwischen Ein-
richtungsleitung und GemeindevertreterInnen sukzessive wiederhergestellt
werden konnte.
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Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Title
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Subtitle
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Author
- Hemma Mayrhofer
- Publisher
- Verlag Barbara Budrich
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 378
- Keywords
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Category
- Geisteswissenschaften