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266 Hemma Mayrhofer, Florian Neuburg
führten sie auch schon das Anliegen der anwesenden Jugendlichen ein Stück
weit aus und plädierten dafür, hierfür einen konstruktiven Umgang zu finden.
Die AnrainerInnen meldeten sich in der Mehrheit von Beginn an eher
aufgebracht zu Wort und schilderten verschiedene Vorfälle von Lärmbelästi-
gung und Vandalismus. Sie gaben zu verstehen, sich seit Jahren von der Poli-
tik im Stich gelassen zu fühlen, und signalisierten, einer Ausdehnung der
Öffnungszeiten unter keinen Umständen zustimmen zu wollen. Einzelne
Stimmen forderten sogar eine komplette Schließung des Sportplatzes, die
meisten AnrainerInnen wollten allerdings in erster Linie eine stärkere Kon-
trolle der bestehenden Öffnungszeiten sichergestellt haben und forderten eine
weitergehende Umzäunung des Areals sowie Maßnahmen der Gemeinde
dagegen, dass der Platz ein abendlicher Treffpunkt für Jugendliche geworden
war. Nur vereinzelt gab es Stimmen, die dem Anliegen der Jugendlichen eher
positiv gegenüberstanden. Insgesamt kam es von Seiten der AnrainerInnen
mehrfach zu pauschalisierenden negativen Aussagen über ‚die Jugend‘ im
Allgemeinen und die Jugendlichen rund um den Sportplatz im Speziellen.
Im weiteren Verlauf der Versammlung nahm der Bürgermeister die Rolle
eines Vermittlers ein, stellte aber auch mehrfach den Standpunkt der Ge-
meinde zur Situation klar: Der Platz wird nicht geschlossen, aber auf die
Bedürfnisse der AnrainerInnen nach Ruhe muss auch Rücksicht genommen
werden. Er steckte damit das inhaltliche Ziel der Versammlung(en) ab, näm-
lich die Anliegen beider Seiten in der zu findenden Lösung ausreichend zu
berücksichtigen und zufriedenzustellen.
Die anwesenden JugendarbeiterInnen meldeten sich mehrfach zu Wort,
um das Anliegen der Jugendlichen zu unterstützen. Sie waren dabei darauf
bedacht herauszustreichen, dass die anwesende Gruppe der NutzerInnen des
Soccerplatzes nicht als repräsentativ für alle Jugendlichen zu betrachten sei,
die sich am und rund um den Soccerplatz einfinden würden. Damit arbeiteten
sie gegen die pauschale Wahrnehmung der Jugendlichen durch viele Anraine-
rInnen an. Zugleich bietet diese Strategie eine Entlastungsmöglichkeit für die
konkrete Verhandlungssituation, da dadurch als störend thematisiertes Ver-
halten Jugendlicher auf nicht anwesende Personen ‚ausgelagert‘ werden
kann. Zudem bemühten sich die JugendarbeiterInnen wiederholt darum, die
Diskussion auf die konkrete Frage der Öffnungszeiten des Soccerplatzes
zurückzuführen.
Die teilnehmenden Jugendlichen meldeten sich während der ersten Phase
der Versammlung kaum zu Wort. Erst nach und nach steigerte sich Anzahl
und Länge ihrer Wortmeldungen, dabei verhielten sie sich den anwesenden
AnrainerInnen gegenüber in der Regel sehr höflich und erhoben keine direk-
ten Vorwürfe oder Anschuldigungen gegen die NachbarInnen des Soccer-
platzes. Vielmehr erklärten einige von ihnen ihr Anliegen näher und begrün-
deten es sachlich mit ihren Schul-, Arbeits- bzw. Ausbildungszeiten, welche
ihnen nur wenig Zeit zum Fußballspielen lassen würde. Eine Ausdehnung der
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Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Title
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Subtitle
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Author
- Hemma Mayrhofer
- Publisher
- Verlag Barbara Budrich
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 378
- Keywords
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Category
- Geisteswissenschaften