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314 Hemma Mayrhofer
• Die mit dem entwickelten Erhebungsinstrument erzielbaren Ergebnisse
zeichnen sich grundsätzlich durch begrenzte Komplexität aus und erfas-
sen Handlungsweisen der jugendlichen NutzerInnen nicht direkt, sondern
nähern sich diesen bzw. durch mobile Jugendarbeit bewirkten Verände-
rungen über Einschätzungen und Selbstrepräsentationen der Befragten
an. Eingeschränkte Aussagekraft zeigen die Ergebnisse auch hinsichtlich
der Langfristigkeit der Effekte. Dennoch ließen sich aus den Daten durch
den Vergleich verschiedener Teilstichproben bzw. mittels bi- und mul-
tivariater statistischer Analyseverfahren gut fundierte empirische Hin-
weise für Wirkungen der mobilen Jugendarbeit gewinnen. Insbesondere
der Vergleich unterschiedlich langer bzw. intensiver NutzerInnen-
Gruppen (u.a. unter Berücksichtigung der Variable Alter) mit entspre-
chenden statistischen Analyseverfahren (multiple Regressionsanalysen)
brachte Wirkerkenntnisse von größerer Aussagekraft. Das Problem sozi-
al erwünschter Antworten lässt sich nicht endgültig kontrollieren, die tat-
sächlich erzielten Antworten wiesen aber oft deutliche Differenzierungen
auf, was für eine hohe Gültigkeit der Ergebnisse spricht.
Durch die biografischen Fallrekonstruktionen auf Basis narrationsorientierter
lebensgeschichtlicher Interviews mit ehemaligen NutzerInnen ließen sich
vertiefende und in die Komplexität der Lebenszusammenhänge eingebettete
Wirkungserkenntnisse gewinnen:
• Auch bei dieser methodischen Annäherungsweise zeigten sich beachtli-
che Schwierigkeiten beim Feldzugang: Einerseits verfügten die Einrich-
tungen mobiler Jugendarbeit nur sehr begrenzt über Kontakte zu ehema-
ligen NutzerInnen, diese sind somit generell schwer erreichbar. Anderer-
seits schienen manche kontaktierten Personen eine Scheu davor zu ha-
ben, sich auf das Ansinnen einzulassen, ihre Lebensgeschichte zu erzäh-
len. Dies könnte u.a. damit zu tun haben, dass einige der Lebensge-
schichten in der alltäglichen Deutung nicht als ‚Erfolgsstories‘ gelten
würden bzw. eine sinnstiftenden Biografisierung (noch) nicht gelungen
sein mag, sodass das eigene Leben aus Sicht des Biografen bzw. der Bi-
ografin nicht berichtenswert erscheint. Um auch solche Personen errei-
chen zu können, wäre es empfehlenswert, niederschwelligere Erhe-
bungsverfahren zu entwickeln und zu erproben.
• Über die für die Zwecke der Wirkungsevaluation adaptierten qualitativ-
rekonstruktiven Interpretationsverfahren konnten die in den Interviews
mitgeteilten Lebenserfahrungen und Erfahrungsverarbeitungen in ihrem
prozesshaften Verlauf verstehend nachgezeichnet werden. Es ließen sich
Entwicklungsverläufe abbilden und Prozessstrukturen des Lebenslaufes
herausarbeiten, wobei von besonderer Relevanz war, inwieweit und in
welcher Weise die durch mobile Jugendarbeit ermöglichten Erfahrungen
in eine sinnstiftende Biografisierung eingebunden wurden und im späte-
ren Leben handlungswirksam werden (können). Einschränkend für einen
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Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Title
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Subtitle
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Author
- Hemma Mayrhofer
- Publisher
- Verlag Barbara Budrich
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 378
- Keywords
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Category
- Geisteswissenschaften