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174 | Empirische Analysen
te Gebrauch von Anakoluthen in Bezug auf die Osttiroler Jugendlichen nicht als
altersprÀferentieller Marker einzustufen ist, wurde bereits in Kapitel 3.3.4. dar-
gelegt.218 Inwiefern kompakte Strukturen (unter normgrammatischer Perspekti-
ve: Ellipsen219) in der Osttiroler Jugendkommunikation eine kennzeichnende
Rolle spielen, wird in Kapitel 4.4. im Detail analysiert. Was in den folgenden
Unterkapiteln im Fokus stehen wird, ist die vermeintlich verstÀrkte Tendenz zu
Parataxe in mĂŒndlicher Kommunikation Jugendlicher. Androutsopoulos (1998)
zÀhlt neben anderen morphosyntaktischen PhÀnomenen (z.B. Akkusativ-
Nominativ-Zusammenfall beim unbestimmten Artikel: 'nen; Determinierer so
bzw. so ein-, z.B.: so Titel wie; doppeltes Perfekt u.a.) auch die Tendenz zur
Parataxe zu prinzipiell typisch sprechsprachlichen Elementen. In Bezug auf
Letzteres hĂ€lt der Autor jedoch eine ĂŒber diese allgemeine Tendenz zu paratak-
tischen Strukturen im gesprochenen Deutschen hinausgehende PrÀferenz der
Jugendsprache in seinem Korpus220 zu drei bestimmten Konstruktionstypen fest:
Die Feststellung, dass die Jugendsprache die Parataxe bevorzugt, trifft im Korpus fĂŒr drei
Konstruktionstypen zu. Erstens, nach einleitenden MatrixsÀtzen mit Verben des Denkens,
Glaubens etc. (meinen, denken, glauben, hoffen, finden [âŠ]). Zweitens, beim Relativan-
schluss der einfachen linearen thematischen Progression [âŠ]. Drittens, beim Konditio-
nalanschluss mit thematischer Wiederaufnahme oder bei einem koordinierten Teil eines
KonditionalgefĂŒges. (Androutsopoulos 1998: 279280)
Prinzipiell sei der Gebrauch nebengeordneter ĂuĂerungen und der weiteren
genannten morphosyntaktischen PhĂ€nomene Kennzeichen des âĂŒberregionalen
kolloquialen Standardâ (Androutsopoulos 1998: 281; in Abgrenzung zum âfor-
mellen Standardâ). Ihre tatsĂ€chliche AuftretenshĂ€ufigkeit in Jugendkommuni-
kation und damit die Frage nach einer jugendprÀferentiellen Verwendung ist
laut Androutsopoulos empirisch nicht ausreichend geklÀrt, woran sich auch
mehr als fĂŒnfzehn Jahre nach seinen AusfĂŒhrungen nichts geĂ€ndert hat.
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218 In Teilkorpus JD sind lediglich 5,8% der ĂuĂerungseinheiten als Anakoluthe realisiert,
wÀhrend in den FreundesgesprÀchen der erwachsenen Osttiroler/-innen rund 8,4% diesem
Einheitentyp zugeordnet werden mĂŒssen.
219 Zur Auseinandersetzung mit dem Terminus âEllipseâ und der Problematik seiner InadĂ€-
quatheit in Bezug auf die Beschreibung gesprochener Sprache vgl. Kapitel 3.4.2.3.
220 Androutspoulosâ Analysen basieren auf schriftsprachlichen Daten aus rund 2000 Textsei-
ten aus 65 Fanzines. Dabei handelt es sich um nicht-kommerzielle Magazine von Fans fĂŒr Fans
innerhalb bestimmter jugendkultureller Szenen (aus dem Musikbereich). Die Schreiber/-innen
dieser Fanzines ordnet Androutsopoulos der Postadoleszenz zu: Sie sind zwischen 18 und 30
Jahre alt. Validiert wurden die auf Basis des Fanzine-Korpus gewonnenen Ergebnisse durch
Beobachtungen aus einer rund drei Jahre andauernden teilnehmenden Beobachtung und
begleitenden Informantenberichten von Postadoleszenten in Heidelberg.
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Title
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Subtitle
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Author
- Melanie Lenzhofer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Size
- 14.8 x 22.0 cm
- Pages
- 502
- Category
- Geographie, Land und Leute