Page - 220 - in Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Image of the Page - 220 -
Text of the Page - 220 -
220 | Empirische Analysen
ten (vgl. Auer 2002: 134; Freywald 2013: 319)275, und hier vor allem nach Verba
dicendi und sentiendi (vgl. Auer 2002: 134). Einen konkreten Hinweis zu einer
möglicherweise bestehenden Altersspezifik gibt Androutsopoulos (1998: 279).
Er weist darauf hin, dass in seinem Korpus geschriebener Jugendsprache eine
Bevorzugung von Parataxe nach „einleitenden Matrixsätzen mit Verben des
Denkens, Glaubens etc. (meinen, denken, glauben, hoffen, finden) “ (Androuts-
opoulos 1998: 279) unter Jugendlichen belegt ist (vgl. Bsp. (99)).
Ein erster Blick auf die hier zu untersuchenden Teikorpora JD, ED und GF
zeigt, dass sowohl in den stärker informellen, dialektgeprägten Freizeitgesprä-
chen aus Osttirol als auch in der standardnahen Fernsehkommunikation Bei-
spiele für Komplementsätze mit Verbzweitstellung ohne einleitende Junktion
und die mit dieser Konstruktion alternierende Variante der mit dass eingeleite-
ten Komplementsätze vorkommen:
Beispiel 103: und geschtern auf oamol sog se jo hetz PRĂśFT se nimmer; [JD 2, Z. 96]
'Und gestern auf einmal sagt sie ja, jetzt prĂĽft sie nicht mehr.'
Beispiel 104: und non sog se ma dass i an FĂśNfer krieg. [JD 2, Z. 97]
'Und dann sagt sie mir, dass ich einen FĂĽnfer kriege.'
Beispiel 105: oba i glaab es is wieder (--) einheimische Gotik. [ED 3, Z. 1902]
'Aber ich glaube, es ist wieder einheimische Gotik.'
Beispiel 106: wie sie: hetz GSOG hot dass der voter EINsteig (.) <<creaky> finanziell>. [ED 1, Z.
1883]
'Wie sie neulich gesagt hat, dass der Vater einsteigt finanziell.'
Beispiel 107: man denkt die hätten was miteinander [GF 220, Z. 199]
Beispiel 108: und ich denke daĂź ich dabei (-) ein weg gefunden hab [GF 254, Z. 208f.]
In Abstimmung mit Kapitel 4.2.1. zu weil-Verbzweitkonstruktionen und 4.2.2. zu
Relativ(satz)konstruktionen mit Verbzweitstellung wird Androutsopoulos (1998:
279) folgend eine möglicherweise bestehende alterspräferentielle Tendenz zum
Gebrauch unselbstständiger Verbzweitkonstruktionen fokussiert. Dazu werden
zunächst die formalen Charakteristika abhängiger Hauptsätze beleuchtet (Kapi-
tel 4.2.3.1.), um in der anschlieĂźenden Frequenzanalyse (Kapitel 4.2.3.2.) das
Vorkommen spezifischer unselbständiger Verbzweitkonstruktionen (v.a. nach
Verba dicendi und sentiendi) zu untersuchen. Funktionale Zusammenhänge mit
den weiter oben besprochenen weil-Konstruktionen und Relativsatzkonstrukti-
||
275 Bezüglich des Formalitätsgrades betont Freywald (2013: 319): „Uneingeleitete V2-Sätze
treten typischerweise in gesprochener Sprache auf, sind dabei jedoch keineswegs auf informel-
le Varietäten beschränkt.“
back to the
book Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol"
Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Title
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Subtitle
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Author
- Melanie Lenzhofer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Size
- 14.8 x 22.0 cm
- Pages
- 502
- Category
- Geographie, Land und Leute