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tion der Erwachsenen und jener der Jugendlichen in Osttirol – zumindest in
Bezug auf Expressivität und Dynamik der Redegestaltung.329
Es zeigt sich also insgesamt, dass intensivierende Mittel nicht nur im Be-
reich der Nominalphrasen, sondern generell in expressiven Sprechhandlungen
in Jugendkommuni-kation stark vertreten sind und als Mittel des hyperboli-
schen Sprechens fungieren.330 So hält etwa auch Androutsopoulos fest, dass „es
in der Jugendsprache bei subjektiven Meinungsäußerungen, Bewertungen oder
expressiven Sprechhandlungen ohne Intensi-vierung an pragmatischer Wir-
kung“ (Androutsopoulos 1998, 360) mangle. Expressivität kann daher neben
den bereits genannten syntaktischen und semantischen Faktoren als wichtiger
pragmatischer Einflussfaktor gelten, der die externe Intensivierung der Nomin-
alphrase (und andere Phänomene wie z.B. den expressiven Nachtrag) voran-
treibt.
4.3.1.4 Fazit
Ausgehend von Forschungsergebnissen aus Deutschland (vgl. v.a. Androutsop-
oulos 1998; Gutzmann/Turgay 2012) wurde das Vorkommen und die Frequenz
von Äußerungen des Typs X_DET_NP (z.B. [Das ist] absolut der Hammer) in den
drei Teilkorpora JD, ED und GF untersucht. Zu den standardsprachlich und
generationenübergreifend gebräuchlichen Strategien der Intensivierung der
Nominalphrase tritt hier eine neue Form der Intensivierung hinzu: Anstelle von
einem oder mehreren Adjektiven vorangestellten Intensitätspartikeln (z.B. Das
war ein sehr/ungemein/ausgesprochen schönes Konzert.) kann die Intensivierung
einer definiten Nominalphrase phrasenextern realisiert werden (z.B. Das war
voll das schöne Konzert). (Vgl. Androutsopoulos 1998: 354355) Für das Teilkor-
pus mit standardnahen Gesprächen der Fernsehkommunikation (Teilkorpus GF)
ist festzuhalten, dass hier kaum Variabilität in der Intensivierung der Nomin-
alphrase gegeben ist, weshalb sich die Analyse auf die beiden Teilkorpora mit
Osttiroler Freizeitkommunikation konzentrierte. Hier überrascht zunächst, dass
diese Form der phrasenexternen Intensivierung auch in Kombination mit inde-
finitem Artikel auftritt (z.B. Das war voll ein schönes Konzert.), und zwar nicht
||
329 WeiterfĂĽhrende Analysen zur Verdichtung und Steigerung der Dynamik mittels kompak-
ter Strukturen finden sich in Kapitel 4.4.2. und 4.4.3.
330 Ăśbertreibung stellt in Jugendkommunikation dabei weniger die Ausnahme als vielmehr
den Regelfall dar (vgl. Androutsopoulos 1998: 361; Deppermann/Schmidt 2001: 37; Neuland
2008: 164), was sich nicht nur in der Herausbildung neuer Intensivierer im Wortschatz, son-
dern auch in morphologischen (z.B. verstärkenden Präfixen) und wie oben beschrieben in
syntaktischen Prozessen zeigt.
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Title
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Subtitle
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Author
- Melanie Lenzhofer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Size
- 14.8 x 22.0 cm
- Pages
- 502
- Category
- Geographie, Land und Leute