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332 | Empirische Analysen
fĂŒr mich ist auĂerdem gar nicht die ĂŒbermĂ€Ăige verwendung der angefĂŒhrten ausdrĂŒcke
das herausragendste attribut von jugendsprache und gleichzeitig der gröĂte kommunika-
tionshemmer, sondern der trend zu ellipsen und ein-wort-sÀtzen.412
In einem anderen Forum beschreibt ein User namens âdreidukeâ den momen-
tanen Sprachgebrauch Jugendlicher als besonders negativ, ja schockierend:
Es geht darum, dass die Jugend zur Zeit dermaĂen schlecht spricht, dass einem die Haare
bluten. Achtet mal drauf, es gibt keine korrekte Grammatik mehr.413
Es stellt sich also die Frage, ob diese Tendenz zur zitierten âverknappten Syn-
taxâ bei den Jugendlichen empirisch nachgewiesen werden kann und inwiefern
eine solchermaĂen reduzierte Syntax gegebenenfalls auch funktionale Unter-
schiede zum Sprachgebrauch der Erwachsenen mit sich bringt.
Auf terminologischer Ebene sei hier in FortfĂŒhrung von Kapitel 3.3.2.
nochmals darauf hingewiesen, dass der skriptizistisch geprÀgte und negativ
konnotierte Begriff der Ellipse im Folgenden vermieden und durch den wert-
neutraleren Begriff der kompakten Strukturen ersetzt werden soll. In Ermange-
lung adÀquater(er) Alternativen wird in der folgenden Analyse dennoch immer
wieder die Rede vom âNicht-Realisierenâ, âWegfallâ oder âAusfallâ sprachlicher
Elemente sein (mĂŒssen) â es sei hier jedoch ausdrĂŒcklich darauf hingewiesen,
dass damit keinesfalls die Vorstellung einer defizitÀren Grammatik verbunden
ist.414
||
412 Forumsbeitrag zum Thema âJugendsprache schnallenâ von User Stefan, in: wer-weiss-
was.de am 31.02.2009, online unter:
http://www.wer-weiss-was.de/theme39/article4992580.html?q=jugendsprache (05.04.2012).
413 Forumsbeitrag zum Thema âWarum haben so viele Jugendliche eine grotesk schlechte
Aussprache?â von User dreiduke, in: www.cosmiq.de am 28.04.2007, online unter:
http://www.cosmiq.de/qa/show/159132/Warum-haben-so-viele-Jugendliche-eine-grotesk-
schlechte-Aussprache/ (12.04.2012).
414 Dass sich der Bezug zur normgrammatisch âvollstĂ€ndigenâ Realisierung nicht vollends
vermeiden lĂ€sst, ist auch methodisch begrĂŒndet. Eine Arbeit, die statistische Aussagen zum
Vorkommen kompakter Strukturen verschiedener Art in mĂŒndlicher Kommunikation geben
will, kommt nicht umhin, als BezugsgröĂe die jeweilige Variante der kodifizierten Stan-
dardsprache heranzuziehen. Der Terminus âkodifizierter Standardâ (Ammon 1995: 88) in Ab-
grenzung zu âGebrauchsstandardâ (Ammon 1995: 88) ist hier insofern zu betonen, als natĂŒrlich
auch im Bereich der StandardvarietÀt(en) des Deutschen grammatische VariabilitÀt festzustel-
len ist. Dies zeigt sich im Rahmen empirisch fundierter Analysen anhand Korpora mit authenti-
schen Sprachdaten (etwa Pressetexten), die dem tatsĂ€chlichen Sprachgebrauch (daher âGe-
brauchsstandardâ) der Standardsprache nachgehen (vgl. DĂŒrscheid/ElspaĂ/Ziegler 2011;
Ziegler 2011; Scherr/Niehaus 2013). Diesem Bereich der Standardvariation kann hier nicht im
Detail nachgegangen werden â es sei aber darauf hingewiesen, dass sich die im Vergleich zu in
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Title
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Subtitle
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Author
- Melanie Lenzhofer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Size
- 14.8 x 22.0 cm
- Pages
- 502
- Category
- Geographie, Land und Leute