Page - 343 - in Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
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Kompaktheit | 343
schen Eigenschaft als Frage-Element einer ErgÀnzungsfrage wird ein bestimm-
tes Wissensdefizit zum Ausdruck gebracht (nÀmlich, welche Schulstufe der
gemeinsame Bekannte besucht). Die Richtungskodierung wird dagegen bereits
durch das direktionale Verb gehen zum Ausdruck gebracht â die lokale PrĂ€posi-
tion in entfallen zu lassen, ist daher deutlich weniger verstÀndnisgefÀhrdend
und dadurch wahrscheinlicher als das Interrogativpronomen welche nicht zu
realisieren. Diese Beobachtung stĂŒtzt Siegels Feststellung, dass âdie jugendli-
chen Sprecher prĂ€positionslose Strukturen weder willkĂŒrlich noch unsystema-
tisch [verwenden]â (Siegel 2014: 91).
Auch hinsichtlich der syntaktisch-funktionalen Beschreibung decken sich
die in Bezug auf Teilkorpus JD und ED gemachten Beobachtungen mit jenen von
Wiese (2012: 5657), Auer (2013b: 31), Siegel (2014: 7778), und auch mit den Be-
obachtungen, die IvuĆĄiÄ (2011: 86) bezĂŒglich Jugendlicher in Hallein (Salzburg)
angestellt hat: Die Autor/-innen stellen fest, dass in den meisten ĂuĂerungen,
die eine VariabilitÀt hinsichtlich des PrÀpositionsgebrauchs aufweisen, dies in
Bezug auf Ortsangaben mit lokaler (z.B. Wir waren letztens Schischabar. â Siegel
2014: 77)) oder direktionaler Kodierung (z.B. gehen sie Ă andere Stadtteil â Sie-
gel 2014: 77)) geschieht, seltener ist sie auch bei Temporaladverbialen (z.B. Ich
werde Ă zweiter Mai fĂŒnfzehn. â Wiese 2012: 57)) zu beobachten.427
Neben den bei Siegel erwÀhnten semantisch ambigen428 Temporaladverbia-
len des Typs âdas hatten wir fĂŒnfte Klasseâ finden sich in den Teilkopora JD und
ED auch Belege fĂŒr semantisch eindeutig als Temporaladverbiale zu klassifizie-
rende ĂuĂerungen, z.B.:
||
427 Siegel (2014) bestimmt die Satzgliedfunktion der prÀpositionslosen Phrasen in ihrem
Korpus und kommt zu dem Ergebnis, dass es sich bei 41% der prÀpositionslosen Phrasen um
Lokaladverbiale, bei 35% um direktionale Phrasen und bei nur 9% um Temporaladverbiale
handelt. In Bezug auf die dialektal geprÀgten Osttiroler Korpora JD und ED ist allerdings fest-
zuhalten, dass die ĂŒberwiegende Mehrzahl der prĂ€positionslosen Konstruktionen nicht lokale,
sondern direktionale Phrasen sind. Ăhnlich wie bei Siegel ist das Nicht-Realisieren der PrĂ€posi-
tion in Temporaladverbialen ebenfalls relativ selten zu belegen. Vereinzelt finden sich Belege,
die weder Orts- noch Zeitangaben betreffen, z.B. ED 6, Z. 1113: und aa so Àhm:: (--) photovolTAik
hom ma eben !AA! gered - 'Und auch so Ă€hm [ĂŒber] Photovoltaik haben wir eben auch geredet.'
428 Eine ĂuĂerung wie "Er geht [in die] fĂŒnfte Klasse" ist insofern semantisch ambig, da sie
sowohl eine rÀumliche als auch eine zeitliche Lesart ermöglicht. Siegel spricht in diesem Zu-
sammenhang von einem "Time-is-Space"-Prinzip: âĂberdies liegt temporalen Phrasen das
âTime-is-Space-Prinzipâ zu Grunde: Wegen ihrer metaphorischen NĂ€he zu Raumangaben be-
steht fĂŒr die Jugendlichen auch bei temporalen Phrasen die Option, eine PrĂ€position nicht zu
setzenâ (Siegel 2014: 87).
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Title
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Subtitle
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Author
- Melanie Lenzhofer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Size
- 14.8 x 22.0 cm
- Pages
- 502
- Category
- Geographie, Land und Leute