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Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
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Kompaktheit | 391 Dass das Nicht-Realisieren des Pronomens in den Dialekten nach wie vor lebendig ist – und dies v.a. in Äußerungen der 2. und teilweise auch der 1. Person –, dürfte aber auch mit pragmatischen Faktoren zusammenhängen. Im Vergleich mit anderen Dialekten und Sprachen, die „verbal agreement“ erlauben, zeigt sich, dass der Pronomen-Wegfall nur selten bei Subjekten der 3. Person vorkommt. Fuß sieht darin eine „pioneering role“ (Fuß 2004: 90) der Pro-Formen der 1. und 2. Person, die darin begründet sei, „that speaker and hearer are the most salient participants in a speech event […], they exhibit a high degree of ‚givenness‘, ‚discourse accessibility‘ or ‚discourse prominence‘“ (Fuß 2004: 90). Schließlich gilt für das Nicht-Realisieren des Personalprono- mens ja prinzipiell, dass das Subjekt nur dann wegfallen kann, wenn es nicht rhematisch ist und aus dem situativen Kontext erschlossen werden kann – ein Punkt, den Fries bereits 1988 anspricht: „Pronoun Zap erfaßt keine ‚rhemati- schen‘ bzw. bezüglich des Äußerungskontextes kontrastierten Konstituenten“ (Fries 1988: 28). Das zeigt sich auch auf prosodischer Ebene: Ist das Subjekt rhematisch, so wird das Personalpronomen realisiert, und zwar in den aller- meisten Fällen mit Fokusakzent, z.B.: Beispiel 343: JD 22, Z. 431-434: „Freizeitplanung“ 431 Sah: → (1.8) wie long megsch DU bleiben, 432 (-) gehsch du oft FIX [ortschaft]- 433 =oder- 434 Ali: =jo i WOAß nit; 'Sah: Wie lange darfst du [hier] bleiben? Gehst du danach sicher [nach] [Ortschaft], oder? – Ali: Ja, ich weiß nicht.' In Bsp. (343) unterhalten sich drei Mädchen aus Matrei (Sah, Sil und Ali) dar- über, was sie im Laufe des Abends noch geplant haben. Nach einer längeren Pause setzt Sah in Z. 431 mit einer Frage ein und äußert diese inklusive des mit Fokusakzent versehenen Personalpronomens. Dass der Bezugsreferent nicht aus einer vorhergegangen Äußerung bekannt ist und zwei potentiell angespro- chene Personen (Sil und Ali) anwesend sind, begünstigt die Realisierung des Personalpronomens. Unterstützt durch nonverbale Kommunikationsmittel (in erster Linie Blickkontakt) wird für die Kommunikationsteilnehmer/-innen er- sichtlich, an wen die Frage gerichtet ist. Im hier gewählten Gesprächsausschnitt scheint kein Zweifel darüber zu bestehen, was sich auch in Alis schneller Reak- tion in Z. 434 auf Sahs Fragen zeigt. Inwiefern der prosodische Aspekt mit dem Phänomen der enklitischen Rea- lisierung bzw. Nullrealisierung des Personalpronomens in verschiedenen rezen-
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Jugendkommunikation und Dialekt Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Title
Jugendkommunikation und Dialekt
Subtitle
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Author
Melanie Lenzhofer
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-050330-2
Size
14.8 x 22.0 cm
Pages
502
Category
Geographie, Land und Leute
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