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Dass das Nicht-Realisieren des Pronomens in den Dialekten nach wie vor
lebendig ist â und dies v.a. in ĂuĂerungen der 2. und teilweise auch der
1. Person â, dĂŒrfte aber auch mit pragmatischen Faktoren zusammenhĂ€ngen.
Im Vergleich mit anderen Dialekten und Sprachen, die âverbal agreementâ
erlauben, zeigt sich, dass der Pronomen-Wegfall nur selten bei Subjekten der 3.
Person vorkommt. FuĂ sieht darin eine âpioneering roleâ (FuĂ 2004: 90) der
Pro-Formen der 1. und 2. Person, die darin begrĂŒndet sei, âthat speaker and
hearer are the most salient participants in a speech event [âŠ], they exhibit a
high degree of âgivennessâ, âdiscourse accessibilityâ or âdiscourse prominenceââ
(FuĂ 2004: 90). SchlieĂlich gilt fĂŒr das Nicht-Realisieren des Personalprono-
mens ja prinzipiell, dass das Subjekt nur dann wegfallen kann, wenn es nicht
rhematisch ist und aus dem situativen Kontext erschlossen werden kann â ein
Punkt, den Fries bereits 1988 anspricht: âPronoun Zap erfaĂt keine ârhemati-
schenâ bzw. bezĂŒglich des ĂuĂerungskontextes kontrastierten Konstituentenâ
(Fries 1988: 28). Das zeigt sich auch auf prosodischer Ebene: Ist das Subjekt
rhematisch, so wird das Personalpronomen realisiert, und zwar in den aller-
meisten FĂ€llen mit Fokusakzent, z.B.:
Beispiel 343: JD 22, Z. 431-434: âFreizeitplanungâ
431 Sah: â (1.8) wie long megsch DU bleiben,
432 (-) gehsch du oft FIX [ortschaft]-
433 =oder-
434 Ali: =jo i WOAĂ nit;
'Sah: Wie lange darfst du [hier] bleiben? Gehst du danach sicher [nach] [Ortschaft], oder? â Ali:
Ja, ich weiĂ nicht.'
In Bsp. (343) unterhalten sich drei MĂ€dchen aus Matrei (Sah, Sil und Ali) dar-
ĂŒber, was sie im Laufe des Abends noch geplant haben. Nach einer lĂ€ngeren
Pause setzt Sah in Z. 431 mit einer Frage ein und Ă€uĂert diese inklusive des mit
Fokusakzent versehenen Personalpronomens. Dass der Bezugsreferent nicht
aus einer vorhergegangen ĂuĂerung bekannt ist und zwei potentiell angespro-
chene Personen (Sil und Ali) anwesend sind, begĂŒnstigt die Realisierung des
Personalpronomens. UnterstĂŒtzt durch nonverbale Kommunikationsmittel (in
erster Linie Blickkontakt) wird fĂŒr die Kommunikationsteilnehmer/-innen er-
sichtlich, an wen die Frage gerichtet ist. Im hier gewÀhlten GesprÀchsausschnitt
scheint kein Zweifel darĂŒber zu bestehen, was sich auch in Alis schneller Reak-
tion in Z. 434 auf Sahs Fragen zeigt.
Inwiefern der prosodische Aspekt mit dem PhÀnomen der enklitischen Rea-
lisierung bzw. Nullrealisierung des Personalpronomens in verschiedenen rezen-
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Buch Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol"
Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Titel
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Untertitel
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Autor
- Melanie Lenzhofer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Abmessungen
- 14.8 x 22.0 cm
- Seiten
- 502
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute