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Der Stoff, aus dem Konflikte sind - Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
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KONFLIKTE UM DER FREIHEIT WILLEN SIND UNUMGÄNGLICH 479 schaft da nicht versucht entgegenzusteuern, finde ich nach wie vor ein großes Versagen. Sabine Berghahn: Aus der Sicht der Betroffenen, d.h. aus Sicht der Musli- minnen und Muslime, sieht die Situation doch ganz anders aus. Erstens den- ken nicht alle Muslime gleich über das Kopftuch, zweitens wird es auch nicht immer aus denselben Motiven heraus getragen. Abgesehen von dieser Diver- sität auch unter den Muslimen – kommt es Dir nicht seltsam vor, dass Du Diene Einstellung, Deine Art von Wohlbefinden und Kleidungsästhetik auf andere Menschen projizierst und das Kopftuch so interpretierst, wie man es zwar interpretieren kann, denn es gibt in einigen Fällen sicherlich auch den Zwang, ein Kopftuch zu tragen – aber Du generalisierst diesen Zwang. Halina Bendkowski: Mir ist schon ganz klar, und das ist auch unübersehbar, dass ein Effekt dieser Debatte ist, dass ganz viele türkische Frauen das Kopf- tuch als Schmuckstück ihres Protestes tragen und es auch ästhetisch gestalten. Das ist mir klar, aber, wie gesagt, ich rede von denjenigen, die gezwungen werden. Und das ist keine Frage der Ästhetik. Sabine Berghahn: Aber es gibt gar nicht so viele Frauen oder Mädchen, bei denen man klar sagen kann, dass sie zum Kopftuch gezwungen werden. Und gerade die so genannten ›Neo-Muslimas‹,8 die ein Kopftuch sehr bewusst tra- gen und emanzipiert auftreten, betonen gerade, dass das Kopftuch ihre Ent- scheidung war und ihre Mütter teilweise gar keine Kopftücher tragen. Die ge- ben dem Kopftuch einen anderen Sinn, der auch nicht einheitlich ist und viel- leicht von außen nicht immer nachvollziehbar. Aber jedenfalls ist es nicht so, dass sie zum Kopftuch gezwungen werden und auch nicht so, dass sie sich einfach unterordnen. Halina Bendkowski: Auf dieses Feld begebe ich mich nicht, denn über diese Frauen rede ich nicht. Petra Rostock: Aber woran machst Du Deine Unterscheidung zwischen de- nen, die zum Kopftuch gezwungen werden und denen, die es freiwillig tragen, fest? Halina Bendkowski: Ich kann keine Unterscheidung von außen machen und weiß auch, dass Opposition und Protest die sonderbarsten Formen annimmt, auch die Form der freiwilligen Selbstkasteiung und Unterdrückung. Weil ich die Unterscheidung nicht machen kann, aber weil es mir um die geht, die ge- 8 Siehe auch Monjezi Brown in diesem Band.
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Der Stoff, aus dem Konflikte sind Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Title
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Subtitle
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Authors
Sabine Berghahn
Petra Rostock
Publisher
transcript Verlag
Date
2009
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-89942-959-6
Size
14.7 x 22.4 cm
Pages
526
Keywords
Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
Category
Recht und Politik
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